Aufsichtsrat soll kleiner werden

26. Juni 2006, 13:47
posten

Serbische Mobi 63 kostet mindestens 800 Millionen Euro - Umbau in Holding erst im Mai 2007

Wien - Ehe sich der Aufsichtsrat der Telekom Austria im Juni mit dem Erwerb der der serbischen Mobi 63 (wurde nach nach einem Eigentümerstreit neu gegründeten Nachfolgegesellschaft Mobi 63) befasst, wird das Kontrollgremium geschrumpft. Ausscheiden aus dem Kreis der zehn Kapitalvertreter soll nicht nur Miba-Chef Peter Mitterbauer (der zum ÖIAG-Präsidenten befördert wurde, Anm.), sondern neuerdings auch Otto Zich, bis vor zwei Jahren Vorstand der Sony DADC Austria AG in Salzburg. Das freilich kommt überraschend, denn Zichs Mandat läuft, wie die Mehrzahl der Kapitalvertretersitze, erst mit der Hauptversammlung 2007 aus, die voraussichtlich im Mai nächsten Jahres stattfinden wird.

Mutmaßliches Motiv des vom größten TA-Einzelaktionär ÖIAG betriebenen vorzeitigen Rückzugs: Die Zahl der Kapitalvertreter soll bereits mit der HV nächste Woche auf acht sinken, dann verlieren die Arbeitnehmervertreter automatisch einen Sitz. Ob sich Langzeit-Aufsichtsratsmitglied Zich, der die TA seit ihrer Ausgliederung aus der Hoheitsverwaltung vor zehn Jahren begleitet und als Ex-Vorstand über Sitz und Stimme im Sony-Aufsichtsrat in Salzburg verfügt, gegen seinen Abschuss erfolgreich wehren wird können, war am Dienstag nicht zu erfahren. Fakt ist freilich, dass die Angst der ÖIAG vor Betriebsräten im Aufsichtsrat wohl eine eher fiktive sein dürfte, denn bestimmen können diese wenig, sondern bestenfalls verzögern oder verhindern.

Acht bis neun Konkurrenten um Mobi 63

Fest steht inzwischen, dass Neo-TA-Chef Boris Nemsic für die serbische Mobi 63 ordentlich Geld in die Hand nehmen werden müssen: Der Ausrufungspreis für Mobi 63 beträgt schlanke 800 Millionen Euro, also fast ein Drittel jener drei Milliarden Euro, die die Telekom im März als Inhalt ihrer "Kriegskasse" genannt hat. Die TA muss sich dabei mit acht bis neun, teils finanzkräftigen, teils exotischen Konkurrenten, matchen: Laut serbischer Regierung haben Deutsche Telekom, France Télécom, Telenor, TeliaSonera, die UTA-Mutter Tele2, Orascom (aus Ägypten) und ETI Salat aus dem Emirat Dubai, OAO Mobile Telesystems und DIC (Discount Investment Corporation, Tel Aviv) schriftlich Interesse deponiert. Morgen, Donnerstag, wird entschieden, wer für ein verbindliches Angebot zugelassen wird. Überraschend doch nicht dabei: Vodafone, die spanische Telefónica und die griechische OTE.

Fix ist eine Woche vor der TA-HV am Dienstag: Die Verselbstständigung des TA-Festnetzes erfolgt nach dem Abschied von TA-Chef Heinz Sundt vorderhand nur über eine Geschäftsordnungsänderung. Die "echte" Holding kommt erst 2007. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5.2006)

Share if you care.