Verlorene Jahre - Familien, die der Arbeit wegen nach Deutschland kamen

4. Juli 2006, 21:39
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Zwei Dokumentationen erzählen von den Folgen dieser Entscheidung, die für keinen der Beteiligten ursprünglich absehbar waren

Zwei Geschichten aus Deutschland, zwei Dokumentationen - beide handeln von Familien, die der Arbeit wegen nach Deutschland kamen. Beide erzählen von den Folgen dieser Entscheidung, die für keinen der Beteiligten ursprünglich absehbar waren: Die Familie des einen droht an der Belastung zu zerbrechen, die Ehefrau leidet an einer Erschöpfungsdepression, der Anpassungsdruck macht auch dem Vater zu schaffen. Nach acht Jahren wird er schließlich seinen Hausrat verpacken und die Rückreise in die Türkei antreten.

Zurückgehen in die Türkei, das war auch der Plan seines Landsmannes. Stattdessen sitzt dieser lebenslänglich in einem deutschen Gefängnis, verurteilt für den Ehrenmord an seiner ältesten Tochter. Der in ruhigem Tonfall gehaltene Film besteht aus langen Gesprächen, er unternimmt eine mehrstimmige Rekonstruktion der Vorgeschichte dieser Tat.

Die beiden fünfundvierzigminütigen Reportagen von Hans-Dieter Grabe sind 1977 beziehungsweise 1986 fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen entstanden. Was an den Arbeiten des renommierten deutschen TV-Dokumentaristen auffällt, ist ihr interessierter, offener Blick, der bereits früh Problematiken und an diesen Details entdeckt. Zugleich werfen sie die Frage auf, wann diese eigentlich wieder derart in den Hintergrund gerückt sind, dass man sie nun gewissermaßen neu entdecken muss. Einziger Nachteil: 3sat strahlt die beiden Filme am Mittwoch schon ab 14.00 im Nachmittagsprogramm aus - Videorecorder programmieren! (irr/DER STANDARD; Printausgabe, 17.5.2006)

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