EU-Regeln für Nahrungsmittel-Kennzeichnung

18. Juni 2006, 19:11
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Begriffe wie "light" oder "fettarm" unterliegen in Hinkunft strengen Grenzwerten. Auch die Zusätze von Vitaminen und Mineralstoffen wurden einheitlich geregelt

"Vitamine statt Naschen" - solche Slogans werden in der EU in Hinkunft verboten sein. Das EU-Parlament hat am Dienstag beschlossen, dass irreführende Kennzeichnungen und Bewerbungen von Lebensmitteln nicht mehr zulässig sind. Außerdem sollen die Regularien für Zusätze von Vitaminen und Mineralstoffen in Nahrungsmitteln europaweit vereinheitlicht werden.

Die EU-Kommission begrüßte die Entscheidung. Verbraucherschutzkommissar Markos Kyprianou sagte: "Mit dieser Regulierung können die EU-Konsumenten sicher sein, dass sie auch das bekommen, was sie auf Verpackungen sehen." Der Rat muss die entsprechenden Verordnungen noch beschließen.

"Massiver Fortschritt"

"Das ist ein massiver Fortschritt, vor allem weil es eine EU-weite Regelung ist. Mit diesem Beschluss ist kein Irreführen der Konsumenten mehr möglich", erklärte Karin Scheele von der SPÖ-Delegation. Sie hatte dem Parlament in der Sache Bericht erstattet. Begriffe wie "fettarm", "energiereduziert" oder "light" müssten in Zukunft einheitlichen Grenzwerten (in so genannten Nährwertprofilen) entsprechen, die von der EU-Nahrungsmittelsicherheitsagentur in Parma (EFSA) in den kommenden zwei Jahren festgelegt werden müssen.

Für fettarme Produkte etwa sollen Grenzwerte von drei Gramm Fett auf 100 Gramm gelten, für zuckerarme Produkte fünf Gramm Zucker auf 100 Gramm. Weisen etwa Light-Jogurts zusätzlich zu niedrigen Fettanteilen auch hohe Zuckeranteile auf, müssen diese eigens ausgewiesen werden, so Scheele.

Geschützte Kinder

Für die zulässigen Mineralien und Vitamine wird es in Hinkunft eine Liste geben. Andere Stoffe - etwa das in der Muntermacher-Brause Red Bull enthaltene Taurin - müssen ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Der EU-Lebensmittelsicherheitsagentur obliegt es, ob sie dann zum Zusatz freigegeben werden. Alle nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben müssen registriert werden. Auch bei Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern ist eine Zulassung nötig.

Richard Seeber von der ÖVP kritisierte die Beschlüsse als "Feigenblatt"-Regelung, die Fettleibigkeit unter Kindern würde man damit sicher nicht in Griff bekommen. Außerdem müsse die EU-Kommission kleineren und mittleren Unternehmen, die die Verordnungen umzusetzen hätten, auch konkrete Hilfen zukomme lassen. (Christoph Prantner aus Straßburg, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5.2006)

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