"Euro-Islam ist wichtig"

6. Juni 2006, 12:44
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Mathias Rohe: Jurist, Christ, Schariaexperte

"Euro-Islam ist wichtiger denn je. Wir müssen aber auch klar machen, dass wir von den Muslimen ein absolutes Bekenntnis zum Rechtsstaat verlangen." Meint Professor Mathias Rohe (46), jener "Mitautor" der "Integrationsstudie", auf den sich Innenministerin Liese Prokop mit ihrem Sager von 45 Prozent "integrationsunwilligen" Muslimen bezog.

Diesen Begriff würde der in Tübingen und Damaskus ausgebildete Jurist und Islamwissenschafter der Uni Erlangen-Nürnberg (Institut für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht, Rechtsvergleichung) auch nie verwenden, sagen Kenner seiner Publikationen. Dem Vernehmen nach ist er nur für die Medienanalyse in der Prokop-Studie verantwortlich.

Rohe hielt sich am Dienstag strikt an das vom Ministerium auferlegte Schweigegelübde, zum Standard sagte sein Büro aber, der Begriff "integrationsunwillig stammt nicht aus seinem Studien-Abschnitt". Sehr wohl von Rohe, auch Richter am Oberlandesgericht Nürnberg, ist das: "Integration heißt, wir können verlangen, dass Menschen, die zu uns kommen und hier leben, sich der Rechtsordnung unterstellen, die für uns alle gilt. Das heißt aber nicht, dass sie ihre religiösen und kulturellen Eigenheiten aufgeben müssen."

Der Korankenner und Schariaexperte, den seine erste Orientreise mit 19 als Koch nach Saudi-Arabien führte, schrieb auch: "Grundgesetz und Koran schließen sich nicht aus, sondern sind im Gegenteil durchaus miteinander vereinbar" ist. "Leitkultur" ist die geltende Rechtsordnung.

Als evangelischer Christ Teil einer religiösen Minderheit im katholischen Bayern initiierte der Vater zweier Töchter den ersten von Muslimen organisierten Religionsunterricht mit. Er beobachte, dass "Linke zwar Verständnis gegenüber Ausländern, aber Unverständnis gegenüber deren Religion äußern. Bei den Rechten ist es umgekehrt. Sie sind skeptisch gegenüber Ausländern, halten Religion aber an sich für etwas Solides." (DER STANDARD, Printausgabe, 17.5.2006)

von Lisa Nimmervoll
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