"Warum sollte ein Kunde Skype nutzen?"

11. Juli 2006, 10:33
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Norbert Wieser, Chef von Tele2UTA, sieht im WebStandard- Interview Internet- Telefonie kritisch und fordert "Entbündelung, Entbündelung, Entbündelung" für mehr Wettbewerb am Breitbandmarkt

tele2UTA ist laut eigenen Angaben der größte alternative Telekom-Komplettanbieter in Österreich. Das Unternehmen bietet Festnetz- und Mobiltelefonie, Schmal- und Breitband- Internetservices sowie Datendienste für Privatkunden aber auch Unternehmen. Tele2UTA-Chef Norbert Wieser spricht im WebStandard- E-Mail-Interview über "weiße Flecken" bei der Breitbandversorgung in Österreich, Fernsehen über das Internet und mögliche Kostenfallen.

WebStandard: Immer mehr Unternehmen setzen auf Voice over IP (VoIP)-Telefonie über das Internet. Macht diese Technologie auch für Privatnutzer, die nicht regelmäßig ins Ausland telefonieren, Sinn?

Norbert Wieser: Skype-Gespräche ins Festnetz kosten 2 Cent, in Mobilnetze mindestens 25,2 Cent. Mit Tele2UTA telefonieren Kunden ab 1,23 Cent ins Festnetz und Kunden mit unserem Fixpreis-Paket "Sorglos" sogar deutlich unter 1 Cent und das rund um die Uhr. Gespräche vom Festnetz zum Handy bieten wir bereits ab 5 Cent ins eigene bzw. ab 16,1 Cent in fremde Mobilnetze. Warum sollte ein Kunde dafür also Skype nutzen?

WebStandard: Laut der Telekom Regulierungs GmbH (RTR) gibt es in Sachen Breitband eine Mehrfachversorgung in Ballungszentren und eine Unterversorgung im ländlichen Raum. Was kann dagegen getan werden, werden neue Technologie wie ADSL2 Abhilfe schaffen?

Norbert Wieser: Die Unterversorgung im ländlichen Raum wird nicht durch neue Technologien gelöst werden können, sondern nur durch mehr Wettbewerb am Breitbandmarkt, der zu attraktiveren Angeboten für die Kunden führt: d.h. durch Entbündelung, Entbündelung, Entbündelung.

Dafür sind jedoch auch weiterhin erhebliche Investitionen von alternativen Telekom-Anbietern wie Tele2UTA in den Infrastrukturausbau nötig – um diese wieder zurückverdienen zu können, braucht es faire Rahmenbedingungen, die nachhaltigen Wettbewerb ermöglichen: d.h. Senkung der Entbündelungsmiete auf das tatsächliche Kostenniveau sowie Beschleunigung und Verbesserung aller Prozesse im Sinne der Kunden.

Wenn man über Lösungen diskutiert, gilt es zwei Arten von Unterversorgung zu unterscheiden:

a) Die viel diskutierten "weißen Flecken", wo es keinen einzigen Breitband-Anbieter gibt – das betrifft noch ca. zehn Prozent der Haushalte. Diese zu erschließen wird politische Aufgabe sein, da sich dort die Erschließung betriebswirtschaftlich nicht rechnen wird. Dabei werden neue Technologien hilfreich sein, lösen werden sie diese Herausforderung aber nicht.

b) Bei den verbleibenden Haushalten können sechs von zehn dank der Entbündelung und Investitionen alternativer Anbieter bereits aus Angeboten von mindestens zwei Anbietern auswählen.

Bei vier von zehn dieser Haushalte allerdings besteht nach wie vor eine Unterversorgung, weil sie nur einen Anbieter haben. Die Folge: höhere Preise und daher weniger Nutzer.

Konkret spart sich ein Haushalt, der sich für Breitband und Festnetz von Tele2UTA statt von der TA entscheidet, viel Geld: Zum Beispiel mit unserem Komplettpaket "Complete 800 MB" (bei dem Breitband-Internet und Festnetz-Grundgebühr um 27,90 Euro/Monat inkludiert sind) Monat für Monat mindestens 17,98 Euro im Vergleich zum gleichwertigen Angebot der Telekom Austria.

WebStandard: Manche Unternehmen versuchen Breitband mit Hilfe von neuen Diensten und Inhalten zu pushen. Ein Paradebeispiel dafür ist TV-Empfang über Breitbandverbindung. Wird sich Tele2UTA in diesem Bereich engagieren?

Norbert Wieser: Derzeit steckt IPTV noch in den Kinderschuhen. Vor allem ist die Frage, ob überhaupt und welche Angebote von den Kunden angenommen werden, nicht geklärt. Wir beobachten daher die Entwicklung sehr genau und haben im Konzern in den Niederlanden bereits ein erstes Produkt am Markt. Ein konkretes Engagement ist aber derzeit nicht spruchreif.

WebStandard: Vor kurzem ist die umstrittene EU-Vorratsdatenspeicherung für die Telekommunikation in Kraft getreten. Was bedeutet das für ein Unternehmen wie Tele2UTA?

Norbert Wieser: Erheblichen, noch gar nicht abzuschätzenden Mehraufwand ohne Nutzen für unsere Kunden.

Weiter: Kostenfallen, ADSL2+ und Breitband- Verbreitung in Österreich.

WebStandard: Wann wird Tele2UTA ADSL2+ anbieten?

Norbert Wieser: Mit ADSL sind Bandbreiten bis zehn MBit realisierbar, was für die aktuell am Markt nachgefragten und angebotenen Bandbreiten allemal ausreicht. Wir bereiten daher den Umstieg auf ADSL2+ ohne Zeitdruck vor.

WebStandard: Die Arbeiterkammer warnt vor Kostenfallen bei Breitband-Internet. Sind die Tarifmodelle zu kompliziert und mit zu vielen Fußnoten gespickt? Werden Kunden bei Tele2UTA bei der Überschreitung eines vereinbarten monatlichen Downloadlimits gewarnt?

Norbert Wieser: Wir fühlen uns von dieser Kritik nicht angesprochen. Denn Tele2UTA steht für einfache und billige Tarife ohne versteckte Kostenfallen, wovon Sie sich jederzeit selbst auf tele2uta.at überzeugen können. Unsere Breitbandkunden können ihr verbrauchtes Datentransfervolumen einfach und bequem jederzeit online über unser Portal tele2internet.at abfragen.

WebStandard: Österreich ist bei der Verbreitung von Breitband- Internetzugängen im Vergleich zu den anderen 24 EU-Staaten zurückgefallen. Während das Land im Jahr 2004 noch auf dem sechsten Platz rangierte, lag es im Vorjahr 2005 nur mehr an neunter Stelle. Woran krankt es in Sachen Breitband in Österreich?

Norbert Wieser: An mangelndem Wettbwerb am Breitbandmarkt wie ja die TKK selbst in ihrer letzten Marktanalyse bestätigt hat. Denn Wettbewerb im Interesse der Kunden führt zu billigeren Preisen, einem breiteren Produktangebot und besserem Service und das wiederum zu höherer Nutzung.

Derzeit behindern aber die regulatorischen Rahmenbedingungen – wie zum Beispiel ungerechtfertigt hohe Entbündelungsmieten – das Entstehen eines fairen und nachhaltigen Wettbewerbs am Breitband-Markt.

Dabei ist die Schaffung von Wettbewerb der effizienteste Weg mit der größten Wirkung, um die Breitband-Penetration zu steigern. Oder wie die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding wiederholt sagte: "Competition ist the main driver for broadband take-up".

Und die öffentliche Hand muss keinen einzigen Förder-Cent dafür in die Hand nehmen, was in Zeiten angespannter Budgets auch nicht zu vernachlässigen ist.

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    "Derzeit behindern aber die regulatorischen Rahmenbedingungen – wie z. B. ungerechtfertigt hohe Entbündelungsmieten – das Entstehen eines fairen und nachhaltigen Wettbewerbs am Breitband-Markt", so Tele2UTA- Chef Norbert Wieser.

    Die Fragen stellte Klaus Kraigher.

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