Schweizer Modell für Wiens Zeitungsriesen

4. Juli 2006, 21:50
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"Le Matin" wirbt für Gratisableger - Rothenbühler: Junge Leser greifen wie wild zu Gratisblättern, die neutral, kompakt und konkret berichten

Aufmerksam verfolgte Krone-Chefredakteur Christoph Dichand beim European Newspaper Congress, was Zeitungsmacher von Graz und Genf bis Helsinki über ihre Erfolge in der Gestaltung ihres Blattes berichteten.

Dichand jr. hatte da Peter Rothenbühler längst getroffen. Der Chef von Le Matin stellte seiner Französischschweizer Boulevardgröße den kostenlosen Le Matin bleu zur Seite. 20 Minuten aus der Deutschschweiz drohte auch diesen Markt aufzurollen. Matin-Mutter Edipresse kam ihm zuvor: Besser der eigene Konzern stört den Matin mit einem Gratisblatt als andere. Das fiel bisher kaum ins Gewicht, sagt Rothenbühler: 3000 von 76000 Stück weniger.

Die Krone- und Kurier-Tochter Mediaprint bastelt derzeit - DER STANDARD berichtete - an einer Gratiszeitung, um der Zeitung der Brüder Fellner den Markteintritt zu erschweren. Dichands Frau Eva führt bereits das Gratisblatt Heute.

Junge Leser greifen wie wild zu Gratisblättern, die neutral, kompakt und konkret berichten, sagt Rothenbühler. "Sehr skeptisch" ist er, ob sie deshalb später Kaufzeitungen nutzen: "Intelligenz- oder Boulevardblatt können wir bleiben, aber wir müssen uns in der Präsentation der Inhalte an Gratiszeitungen anpassen, sonst kriegen wir die Jungen nicht rüber." (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 17.5.2006)

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