"Irgendwann ist die Tafel in Slowenien angelangt"

16. Mai 2006, 18:03
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Josef Feldner, Obmann des Kärntner Heimat­dienstes, kritisiert im derStandard.at-Interview Haiders Politik und verspricht sich für den Abbau von Ängsten einzusetzen

Große Worte wählte der Historiker Stefan Karner am Dienstag anlässlich einer Pressekonferenz zum Thema zweisprachige Ortstafeln in Kärnten: "Es ist ein singuläres Ereignis und hat fast historischen Charakter, dass Vertreter zweier anerkannter slowenischer Vereine und der langjährige Vorsitzende des Kärntner Heimatdiensts (KHD) eine Pressekonferenz abhalten." Gemeinsam warben die vier Männer für den von der Regierung vorgelegten Entwurf für eine neue Ortstafelverordung. Im Gespräch mit derStandard.at erklärt der Vorsitzende des KHD, Josef Feldner, die Gründe für den Richtungswechsel seiner Organisation, verspricht sich für den Abbau von Ängsten einzusetzen und wirbt für den Konsens.

* * *

derStandard.at: Sie haben davon gesprochen, dass der Kärntner Heimatdienst eine wichtige Richtungsänderung vorgenommen hat. Was hat Sie zu diesem Meinungswechsel bewogen?

Josef Feldner: Noch vor etwa eineinhalb Jahren haben alle slowenischen Organisationen keine Konsensbereitschaft gezeigt. Mit dem Einschwenken von zwei Organisationen auf einen Konsens ist für uns eine der Bedingungen für eine Beteiligung erfüllt worden. Im Laufe der Gespräche haben wir von unseren Vorstellungen Abstriche gemacht, ebenso die slowenische Seite.

derStandard.at: Wo ist der Kärntner Heimatdienst entgegen gekommen und was hat Sie dazu bewogen?

Feldner: Wir waren ursprünglich nur bereit, eine Anzahl von insgesamt 120 Ortstafeln anzuerkennen. Wir haben aber im Laufe der Gespräche gesehen, dass wir auch Zugeständnisse machen müssen, da dieser Konsens sonst nicht zustande gekommen wäre.

derStandard.at: Warum ist die Aufstellung von Ortstafeln eigentlich so schwierig?

Feldner: Das kann man nur historisch begründen: Es gibt noch immer die Erinnerung an das Jahr 1918/20, als das damalige neue Jugoslawien Südkärnten besetzt hat und seinem Territorium angliedern wollte. Das hat zum bekannten Abwehrkampf und zur Volksabstimmung von 1920 geführt.

Ein weiterer Problembereich in der Geschichte war die Zeit des Nationalsozialismus, als der slowenischen Volksgruppe sehr übel mitgespielt wurde. Dazu kommt die Zeit unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als schuldlose Südkärntner durch Tito-Partisanen verschleppt wurden - Leute, die nicht mehr zurückgekommen sind und die vermutlich ermordet wurden. Diese Erinnerung ist auch über Generationen noch erhalten.

derStandard.at: Vieles von dem liegt nun schon ziemlich lange zurück, warum spielt es dennoch so eine große Rolle?

Feldner: Es ist jedenfalls auch hier unsere Aufgabe, die Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten. Das ist auch unser Bestreben mit Sturm (Marjan, Vorsitzender des Zentralrates der Kärntner Slowenen, Anm.) und Sadovnik (Bernard, Obmann der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen und Sloweninnen, Anm.). Wir werden das in der weiteren Folge auch machen, wir wollen diese Treffen auch institutionalisieren und in regelmäßigen Abständen abhalten.

Ich bin zuversichtlich, dass die Akzeptanz der zweisprachigen Ortstafeln steigen wird, wenn die Menschen das Gefühl haben, dass es wirklich keine Gefahr mehr für die Einheit des Landes gibt.

derStandard.at: Es werden immer wieder Ängste angesprochen, nun haben Sie bei der Pressekonferenz selbst eingeräumt, dass keine Gefahr einer slowenischen Militärintervention besteht. Warum gibt es diese Angst dennoch?

Feldner: Das Problem ist, dass Ängste kaum einen realen Hintergrund haben, sondern im emotionalen Bereich angesiedelt sind. Hier mit Vernunftargumenten zu arbeiten ist schwierig, aber wir müssen es versuchen. Ich meine aber auch, dass es eine Generationenfrage ist, ich denke, dass es in zehn bis 15 Jahren immer weniger Leute geben wird, die diese Ängste haben.

Wir versuchen nun noch auf eine andere Weise an die Mehrheitsbevölkerung zu appellieren, nämlich dass man Gruppenselbstbewusstsein zeigen sollte. Wir sind in Südkärnten eine 90-prozentige, in ganz Kärnten sogar eine 97-prozentige Mehrheit, wo soll hier eine Angst Platz greifen? Dafür gibt es keine Notwendigkeit mehr. Darauf müssen wir selbstbewusst hinweisen, natürlich ohne Aggressivität den slowenischsprachigen Mitbürgern und den Nachbarn gegenüber.

derStandard.at: Wie war die Reaktion in den eigenen Reihen?

Feldner: Vor einigen Tagen haben wir uns bei einer Veranstaltung in Klagenfurt unseren Leuten gestellt. Da hat es einigen Widerspruch gegeben, aber von etwa 300 Anwesendenden sind vielleicht noch zehn bis 15 gegen den Konsenskurs aufgetreten, alle anderen haben Zustimmung signalisiert.

Dort habe ich an dieses Selbstbewusstsein appelliert und bin dabei sogar noch weiter gegangen, indem ich gesagt habe: Angst zu zeigen ist eigentlich ein Zeichen von Schwäche, jemand der sich nicht stark genug fühlt, ist ängstlich.

derStandard.at: Wenn man Aussendungen des Kärntner Heimatdienstes liest, bekommt man den Eindruck, es wird von Ängsten der Mehrheitsbevölkerung gesprochen, als wäre sie in der Minderheit. Verstehen Sie, dass das nur schwer nachvollziehbar ist?

Feldner: Dazu muss man folgendes sagen: Es gibt auch heute noch einen gewissen Mangel an Sensibilität in Slowenien. Aber wir haben inzwischen schon gute, grenzüberschreitende Gespräche geführt und appelliert: "Bitte hört doch auf, Südkärnten in den slowenischen Raum einzubeziehen." Hier gibt es Aussagen von Politikern oder von Medien, die Ängste erzeugen oder prolongieren.

Zum Beispiel: Es gibt einen offiziellen Atlas Sloweniens, in dem Südkärnten in eigenen Tafeln mit aufgenommen wurde. Bei den Gesprächsrunden haben wir gesagt: "Es ist eine wunderbare Werbung für Kärnten sein, wenn es darin aufgenommen wird. Aber bezeichnet den Atlas nicht als slowenischen Atlas, sondern als 'Atlas Sloweniens und angrenzende österreichische Gebiete'."

derStandard.at: Sie sprechen den Atlas an, den Herr Haider vorgestellt hat (derStandard.at berichtete). Seine Vorwürfe an Slowenien haben sich allerdings als haltlos herausgestellt...

Feldner: Das konnten wir inzwischen klären und das soll wirklich nicht das Kernproblem sein. Ich wollte das wirklich nur deswegen erwähnen, um darauf hinzuweisen, dass es im Grunde genommen um Kleinigkeiten geht. Wie oft werden in vielen anderen Lebensbereichen kosmetische Handlungen vorgenommen, mit denen viel erreicht und Probleme beseitigen werden können? So könnte auch Slowenien durch kosmetische Handlungen etwas verändern.

derStandard.at: Nur wird dem Kärntner Heimatdienst vorgeworfen, die Ängste zu schüren...

Feldner: Ja, aber wir relativieren. Ich habe in einer Aussendung darauf hingewiesen: "Machen wir doch nur einen kleinen Hinweis, bitte liebe Freunde in Slowenien, und nehmt Südkärnten weg."

derStandard.at: Landeshauptmann Jörg Haider hat sich vom Konsens entfernt. Kann es überhaupt eine Lösung geben kann, so lange Haider diese torpediert?

Feldner: Ich glaube, das ist eine Frage von einigen Monaten. Das Hauptproblem ist der im vollen Gang befindliche Wahlkampf und wenn der einmal vorbei ist, gibt es kein Problem mehr.

derStandard.at: Wie ist die Position des Kärntner Heimatdiensts zu der von Haider vorgenommenen Verrückung von Ortstafeln?

Feldner: Prolongieren eines Problems, das überhaupt nichts bringt. Irgendwann einmal ist die Tafel in Slowenien angelangt, wie das in einer Karikatur recht gut dargestellt wurde.

Das Interview führte Sonja Fercher
  • Zur PersonJosef Feldner, geboren im Jahr 1939, ist seit 1972 Obmann des Kärntner Heimatdienstes, einer nach eigenen Angaben "parteifreien patriotischen Bürgerinitiative".
    gert eggenberger

    Zur Person
    Josef Feldner, geboren im Jahr 1939, ist seit 1972 Obmann des Kärntner Heimatdienstes, einer nach eigenen Angaben "parteifreien patriotischen Bürgerinitiative".

  • Ortstafel in Bach/Potok, einem Ortsteil von Ludmannsdorf/Bilcovs.
    foto: derstandard.at/fercher

    Ortstafel in Bach/Potok, einem Ortsteil von Ludmannsdorf/Bilcovs.

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