Juve-Aktien weiter auf Talfahrt

25. Juni 2006, 11:11
posten

Kleinanleger erwägen Sammelklage gegen Alte Dame

Mailand/Turin/Rom - Die Aktien des italienischen Fußball-Spitzenklubs Juventus Turin, der in den Sog eines ausgedehnten Manipulationsskandals geraten ist, setzten auch am Dienstag ihre Talfahrt fort. Der Kursverlust der "Alten Dame" an der Mailänder Börse betrug mehr als zehn Prozent, nachdem die "Juve"-Aktien am Montag wegen gewaltiger Kurseinbrüche vom Handel sogar ausgesetzt worden waren.

Auch die Aktienkurse des "Juve"-Hauptaktionärs, der Finanzholding Ifil unter Kontrolle der Unternehmerfamilie Agnelli, verzeichneten starke Rückgänge. Sollten die Vorwürfe der Schiedsrichterabsprachen gegen den Klub bestätigt werden, könnten dessen Aktien von der Mailänder Börse gestrichen werden, berichteten italienische Medien am Dienstag. Juve ist seit 2001 an der Mailänder Börse notiert.

Der Konsumentenschutzverband Codacons forderte eine Entschädigung für Kleinanleger, die ihre Ersparnisse in Aktien börsennotierter Klubs investiert haben. Juve war bisher der solideste unter den drei börsennotierten Fußball-Klubs (außerdem noch Lazio Rom und AS Roma) in Italien.

Die Mailänder Börsenaufsichtsbehörde Consob hatte die Juve-Aktienkurse in der Vorwoche unter die Lupe genommen, um mögliche Unregelmäßigkeiten festzustellen, die in Verbindung mit dem Skandal gebracht werden könnten. Die Ermittlungen könnten auf die anderen zwei börsennotierten Vereine erweitert werden. Consob-Chef Lamberto Cardia will möglichen Fällen von Insiderhandel mit Spitzenvertretern von Juventus nachgehen, die die Kurse manipuliert haben könnten.

Cardia geht davon aus, dass vom zurückgetretenen Juventus-Generaldirektor Luciano Moggi manipulierte Spiele die Kurse tief greifend beeinflusst haben könnten. Die Consob will außerdem klären, ob der Absprachenskandal auch den Erstligisten Lazio Rom betrifft. Lazios Geschäftsführer Claudio Lotito ist ebenfalls in den Sog der Ermittlungen geraten. Der römische Klub war der erste Fußballverein, der im Jahr 1999 an die Mailänder Börse gegangen ist.

Ein Verband geprellter Anleger, die in Juve-Aktien investiert haben, soll in Neapel gegründet werden. Mehrere Tifosi, die ein Abonnement beim Pay-TV-Sender Sky Italia besitzen, der die Spiele der italienischen Serie A überträgt, verlangen einen Schadenersatz und erwägen eine Sammelklage gegen Juventus. (APA)

Share if you care.