Müllverwerter ARA senkt Tarife

30. Mai 2006, 12:20
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Der heimische Sammel- eifer ist ungebrochen: Die Vorarlberger liegen mit 138 kg pro Jahr an der Spitze, Schlusslicht bilden die Wiener

Wien - Die Altstoff Recycling Austria (ARA), eine Serviceeinrichtung der Wirtschaft zur Sammlung und Verwertung von Verpackungen, hat 2005 ihre Sammel- und Verwertungsmenge leicht um 0,4 Prozent auf 747.000 Tonnen gesteigert. 60 Prozent davon stammen aus der Haushaltssammlung, der Rest kommt von Industrie und Gewerbe. Die Gebühren für die Verpackungssammlung und -entsorgung wurden erneut - zum zwölften Mal in Folge - gesenkt.

"Bequemstes Sammelsystem der Welt"

Sammelmeister im Bundesländervergleich waren wieder die Vorarlberger, mit einer Pro-Kopf-Sammelmenge von 138 kg. Am Ende der Liste rangierten die Wiener mit 97 kg. Im Durchschnitt sammelte jeder Österreicher im Vorjahr 110,7 kg Verpackungen inklusive Altpapier, um 1,1 Prozent mehr als 2004. ARA-Vorstand Christian Stiglitz führte diesen Sammeleifer nicht zuletzt auf das "bequemste Sammelsystem der Welt" mit einer dichten Sammelinfrastruktur zurück: Die Zahl der Sammelbehälter stieg 2005 um 49.000 oder vier Prozent auf 1,184.300.

Die ARA-Lizenzmenge sämtlicher Packstoffe stieg 2005 um insgesamt vier Prozent. Der Umsatz verbesserte sich dagegen um nur zwei Prozent auf 154,5 Millionen Euro (2004: 151,3 Mio. Euro). Diesen verhältnismäßig geringen Anstieg erklärte Stiglitz mit den gesunkenen Lizenztarifen: "Da wir nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, geben wir seit jeher etwaige ungeplante Überschüsse über Tarifreduktionen an die betroffene Wirtschaft und damit an die Konsumenten zurück", betonte der ARA-Chef. 2006 werden die Gebühren von 156 auf 141 Euro pro Tonne gesenkt.

Rückstellungen

Medienberichten zufolge soll die ARA einen Überschuss von kolportierten 100 illionen Euro angesammelt haben. Dafür habe die Gesellschaft Rückstellungen gebildet, die nach drei Jahren aufgelöst werden müssen und zum Unverständnis von SP-Abgeordneten Christoph Matznetter nicht unter die Gewinnsteuer fallen. Stiglitz betonte dazu, dass es sich bei dem Überschuss um Fremdkapital handle, da das Geld von der ARA in Form von Tarifsenkungen an die Kunden weitergegeben werde.

Mit der Rückstellung des Überschusses für drei Jahre sei man dem Wunsch der Wirtschaft nachgekommen, die Tarife nicht im Zickzack-Kurs, je nachdem ob im jeweiligen Jahr ein Überschuss oder Verlust erzielt wurde, zu ändern und damit kalkulierbar zu halten, wurde der ARA-Chef dieser Tage im "Kurier" zitiert. Die ARA-Tarife würde ein Jahr im Voraus berechnet. Gerade die Entwicklung der Rohstoffpreise könne dabei schwer eingeschätzt werden.

Auslands-Aktivitäten

Im Consulting-Bereich hat die ARA 2005 fünf Projekte im Ausland - überwiegend in Osteuropa, aber auch in Schweden und Estland - abgewickelt. Weitere fünf Projekte seien derzeit noch im Laufen. Besonders hervorzuheben ist ein Projekt in Westungarn, bei dem die ARA ihrem Grünen-Punkt-Partner Öko-Pannon beim Aufbau eines Sammel- und Verwertungssystems für Verpackungsabfälle behilflich ist.

Die ARA wurde 1993 gegründet und zählt mittlerweile 250 Partner aus den Bereichen Sammlung, Sortierung und Verwertung. Dazu zählen etwa die Saubermacher, A.S.A Abfall Service und die AVE Entsorgung, aber auch mehr als 110 österreichische KMU der Entsorgungswirtschaft auf der Sammelseite sowie Mondi Verpackungen, Mayr Melnhof Karton, Nettingsdorfer oder auch die voestalpine Stahl auf der Verwertungsseite. Etwa 2/3 der rund 154,5 Millionen Euro Lizenzeinnahmen leitet das ARA System an diese Partner für ihre Tätigkeiten weiter.

Dazu kommen rund 450 kommunale Vertragspartner, wie Städte, Gemeinden oder Abfallwirtschaftsverbände, an die das ARA System rund 1/3 der Lizenzeinnahmen für ihre Leistungen weitergibt. Im Gegensatz dazu schaffe in Deutschland derzeit eine Fusionswelle Mega-Müllkonzerne, mit denen Preisverhandlungen schwieriger werden könnten, so Stiglitz. (APA)

  • Im Durchschnitt sammelte jeder Österreicher im Vorjahr 110,7 kg Verpackungen inklusive Altpapier.
    foto: ara

    Im Durchschnitt sammelte jeder Österreicher im Vorjahr 110,7 kg Verpackungen inklusive Altpapier.

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