Kräftiges Ergebnisplus im Erstquartal, Aktie bricht ein

19. Juni 2006, 15:35
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Der heimische Konzern steigerte zwar seinen Gewinn von Jänner bis März um 39 Prozent, liegt aber deutlich hinter den Erwartungen der Analysten

Wien - Die österreichische OMV hat in den ersten drei Monaten 2006 bei einem Umsatz von 4,298 Milliarden Euro (1. Quartal 2005: 3,157 Mrd. Euro) ihr Konzern-EBIT gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres um 27 Prozent auf 541 Millionen Euro gesteigert, der Gewinn stieg um 39 Prozent auf 430 Millionen Euro. Der EBIT-Beitrag der rumänischen Tochter Petrom betrug 274 Millionen Euro und war doppelt so hoch wie in der Vorjahresperiode, teilte die OMV am Dienstag mit.

Der Periodenüberschuss stieg von 310 Millionen im ersten Quartal des Vorjahres auf 430 Millionen Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit legte von 404 Millionen auf knapp 526 Millionen Euro zu.

Analysten hatten die Latte höher gelegt

Zwar konnte die OMV bei den wichtigsten Unternehmenskennzahlen kräftig zulegen - sie blieb damit aber noch immer deutlich unter den Erwartungen der Analysten. Der Kurs der OMV-Aktie gab nach Bekanntwerden der Unternehmensergebnisse heute Morgen auch prompt um 6 Prozent nach.

Das Mittel der Schätzungen von CA IB, Erste Bank und RCB für den Umsatz im 1. Quartal 2006 war gestern bei 5,02 Milliarden Euro gelegen - das tatsächlich erreichte Umsatzplus von 36 Prozent auf 4,561 Milliarden war daher für die Anleger enttäuschend.

Beim Jahresergebnis (net profit) hatten die Analysten im Mittel einen Zuwachs gegenüber der Vorjahresperiode um 37 Prozent auf 351 Millionen Euro erwartet - tatsächlich erreicht wurden 319 Millionen Euro.

Kurssturz

Die OMV-Aktie hatte nach Bekanntwerden der für Analysten enttäuschenden Quartalsergebnisse am Vormittag im Handelsverlauf zwischenzeitlich um mehr als neun Prozent an Wert verloren.

Die OMV selbst erwartet für das Gesamtjahr 2006 ein ähnliches Ergebnis wie 2005. Für 2006 rechne man mit beträchtlich niedrigeren Raffineriemargen im Vergleich zu den außergewöhnlich hohen Margen 2005, hieß es. Der Rohölpreis werde bei starken kurzfristigen Schwankungen voraussichtlich weiterhin auf hohem Niveau bleiben, der US-Dollar werde im Vergleich zum Vorjahr etwas nachgeben, so der Ausblick für das laufende Jahr.

Investitionsschwerpunkte

Vom hohen Rohölpreis wird der Bereich Exploration & Produktion (E&P) profitieren. Die Investitionsschwerpunkte für 2006 sind die Entwicklung des Gasfelds Strasshof in Österreich sowie Felder in Neuseeland, Libyen und im Jemen.

Im Bereich Raffinerien & Marketing (R&M) rechnet die OMV mit niedrigen Raffineriemargen. Wegen des Brandes bei einer Rohöl-Destillationsanlage in Schwechat Ende des 1. Quartals werde die Durchsatzleistung bis zum 3. Quartal reduziert bleiben, im Zuge von Endreparaturen werde ein kurzer Raffineriestillstand erforderlich sein, hieß es weiter. Als Resultat werden Verluste in Höhe von 30 Millionen Euro erwartet. Die Investitionsschwerpunkte 2006 werden die Modernisierung der Petrom-Raffinerien, der Baubeginn eines thermischen Crackers in Schwechat mit dem Ziel vermehrt schwere Rohöle einsetzen zu können, sowie der weitere Ausbau des Tankstellennetzes sein.

Nabucco-Projekt im Fokus

Im Bereich Erdgas will die OMV das Gasgeschäft bei Petrom weiterentwickeln. Der Fokus liege weiterhin auf dem Vorantreiben des strategisch wichtigen Nabucco Pipeline-Projekts zur Anbindung der Gasproduktion des Vorderen Orients an Mitteleuropa, heißt es in der Mitteilung.

Der Abschluss der Fusion von OMV und Verbund wird mit Ende 2006 erwartet. Ziel der beiden Unternehmen sei eine Fusion als gleichberechtigte Partner im Verhältnis ihrer Marktkapitalisierung von 60:40. Dadurch werde der Verbund in die Bilanz der neuen OMV Verbund AG konsolidiert. Die Auswirkungen auf das Ergebnis je Aktie könne derzeit noch nicht bestimmt werden, da dies von der Anzahl der neuen OMV-Aktien abhängen werde. Im 1. Quartal 2006 stieg das Ergebnis je Aktie um 24 Prozent auf 1,07 Euro. Das Ergebnis je Aktie nach Minderheiten und vor Sondereffekten stieg um 13 Prozent auf 1,00 Euro.

Expansion in Tschechien

Die Übernahme von 70 Aral-Tankstellen in Tschechien hat die OMV am 4. Jänner 2006 abgeschlossen und sich damit nach eigenen Angaben als Nummer eins im tschechischen Tankstellenmarkt etabliert.

Andererseits wurden die OMV-Geschäfte in Rumänien, Bulgarien und Serbien-Montenegro an Petrom verkauft. Petrom erhält 178 OMV-Tankstellen sowie das dazugehörige Großhandelsgeschäft. Der Unternehmenswert dieser Transaktion von 234 Mio. Euro wird um Schulden und Working Capital berichtigt. Darüber hinaus wurden im Zuge der Konzentration auf die Kernaktivitäten bei Petrom sechs mobile Offshore- und Onshore-Bohreinheiten um insgesamt 100 Millionen Dollar (78 Mio. Euro) verkauft.

Im Wachstumsmarkt Türkei hat die OMV von der Dogan Holding einen 34-Prozent-Anteil am Tankstellen-Unternehmen Petrol Ofisi erworben. Als Kaufpreis wurden 1,054 Mrd. Dollar vereinbart. Nach dem Verkauf hält die Dogan Holding 52,7 Prozent an Petrol Ofisi. Im Verwaltungsrat der Petrol Ofisi werden künftig 8 Direktoren vertreten sein, von denen jeweils vier von OMV und Dogan Holding ernannt werden. 13,3 Prozent der Anteile notieren als Streubesitz an der Istanbuler Börse. (APA)

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