Regierung will Werteunterricht an Schulen einführen

5. Juni 2006, 14:35
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Studie: Britische Moslems am meisten benachteiligte Gruppe

London - Knapp ein Jahr nach den Londoner Anschlägen plant die britische Regierung einen Werteunterricht in den Schulen, um extremistischen Tendenzen vorzubeugen. Bildungsstaatssekretär Bill Rammell kündigte am Montag an, die Regierung wolle "grundlegende britische Werte" vermitteln, um gegen "extremistisches Abdriften" zu kämpfen und einen stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schaffen.

Nach einer am Montag vorgestellten Universitätsstudie sind Moslems die am stärksten benachteiligte Gruppe in Großbritannien. Bei den Anschlägen von offensichtlich in die Gesellschaft integrierten jungen, britischen Moslems waren im Juli vergangenen Jahres 56 Menschen getötet worden.

Bildung sei wichtig zur Bekämpfung der Diskriminierung von Moslems, erklärte Rammell. Sie spiele aber auch eine Rolle, wenn es um gewisse Minderheitsmeinungen bei den Moslems gehe, die terroristische Akte entschuldigten oder dazu ermutigten. Es gebe bereits Staatsbürgerschaftskunde, wo die Schüler über politische und soziale Themen diskutieren könnten, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Aber es gebe auch die Notwendigkeit, die britische Identität zu festigen - vor allem im Lichte des gesellschaftlichen Wandels nach den Anschlägen.

Die Forscher der Universitäten von Oxford, Warwick, Derby und Birmingham warnten in ihrer Studie, dass keine andere Volksgruppe so viele Arbeitslose verzeichne und derart konzentriert in den Armenvierteln des Landes wohne wie die Moslems. Demnach lebt jeder dritte Moslem in Großbritannien in sozialen Brennpunkt-Vierteln.

Viele von ihnen seien schlecht ausgebildet und litten an Krankheiten. Als einen der Gründe nannte der Bericht die geringe Mobilität moslemischer Familien. Dadurch habe sich bei der Verteilung der moslemischen Kommunen zwischen 1960 und 2000 kaum etwas bewegt. (APA)

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