Metaller-Gewerkschaft kritisiert neue Lohnmodell-Vorschläge

1. Juni 2006, 13:51
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GPA-Proyer spricht von "mittelfristig erheblichen Einkommensverlusten" - Lohnverhandlungen beginnen erst im September

Wien - Kritik an den Vorschlägen der Industrie zu den künftigen Kollektivvertragsverhandlungen übte am Montag der Chefverhandler in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Karl Proyer.

"Die Reformvorstellungen der Industrie zur zukünftigen Lohn- und Gehaltspolitik könnten mittelfristig zu erheblichen Einkommensverlusten für die betroffenen Angestellten führen. Für die Gewerkschaft der Privatangestellten ist daher eine Lohn-'Automatik', die sich ausschließlich an der Inflationsrate orientiert und die Produktivitätszuwächse unbeachtet lässt, nicht vorstellbar", so Karl Proyer.

Neuer Vorschlag

Der Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer, Wolfgang Welser, hatte zuletzt ein "neues" Lohn- und Gehaltsmodell mit einer Lohn-"Automatik" an der Inflationsrate und gewinnabhängige Einmalzahlungen vorgeschlagen (siehe Artikel Neuer Anlauf für neues Lohnmodell in Industrie). Nach Ansicht der GPA würde dieses Modell die Kaufkraft der Industriebeschäftigten und die Inlandsnachfrage - zuletzt ein wichtiger Faktor für den Industriestandort Österreich - mittelfristig erheblich schwächen.

Es werde auch zukünftig nachhaltige Ist- und Mindestgrundgehaltsabschlüsse unter Beachtung der Inflation, der Produktivität und der wirtschaftlichen Entwicklung der einzelnen Industriebranchen geben müssen. Über zusätzliche Verteilungsmöglichkeiten - ergänzend zur so genannten Verteiloption - könne man immer reden, so Proyer.

Verhandlungen im Herbst

Verwundert zeigte man sich in der GPA über den frühen öffentlichen Auftakt der Herbstlohn- und Gehaltsrunde durch die Arbeitgeber. Offenbar wolle man die Beschäftigten diesmal schon frühzeitig verunsichern und sich so mögliche Verhandlungsvorteile für den Herbst verschaffen.

"Für uns beginnen die Kollektivvertragsverhandlungen wie bisher im September und die personellen Veränderungen im Gewerkschaftsbereich sehen wir ohne große Aufregungen", betonte Proyer. Aktuell gehe es vielmehr darum, das noch von der Metallergewerkschaft (GMTN) und GPA ausverhandelte und mit 01.11.2005 in Kraft getretene gemeinsame Entgeltsystem für Arbeiter und Angestellte in den Betrieben zum Vorteile der Beschäftigten umzusetzen. (APA)

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