Quälende Fragen und satirische Orden für die Uniqa-Chefs

1. Juni 2006, 16:21
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Gastronom Herbert Ploner dominierte erneut Hauptversammlung

Wien - Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften fehlt es meist an Unterhaltungswert. Sie folgen strengen Ritualen, die an demokratische Institutionen erinnern sollen. Das rechte Verständnis der vorgetragenen Vorgänge und Abläufe bleibt Versicherungsmathematikern und Geheimsprachen-Experten vorbehalten – was einen ungestörten Ablauf ermöglichen soll.

Am Montag waren 208 Aktionäre der Einberufung der Uniqa gefolgt, die 103,146.958 Stimmen in die Waagschale zu werfen hatten. Dies macht die großen Gestaltungsmöglichkeiten des kleinen Aktionärs deutlich.

Voll des Lobes

Zum Ritual der Uniqa-HV gehört es, dass Aufsichtsratsvorsitzender Christian Konrad und Vorstandschef Konstantin Klien voll des Lobes über ihre Arbeit sind. Und dass seit Jahren der Wiener Gastronom Herbert Ploner ans Rednerpult geht und alles daran setzt, Vorstand und Aufsichtsrat der Versicherung mit peinlichen Fragen zu blamieren.

Weil man dort damit schon rechnet und weil das seine Zeit braucht, haben die Veranstalter den Versammlungsbeginn plonerthalben um eine Stunde vorverlegt. Im Vorjahr ist nämlich infolge Ploners Fragespiel ein Teil des Mittagsbüfetts verdorben. Zum Beispiel: "Welcher Uniqa- Bonze wohnt in dem Penthouse Lothringerstraße?" So lang auch die Fragenliste des Aktionärs Ploner jedes Mal ist, egal was immer er fragt, so professionell ist jedes Mal Konrads Antwort: "Habe keine Frage gehört, die wir nicht beantwortet hätten!"

Wohnungskauf

Die Fragen drehen sich hauptsächlich um einen Deal, bei dem die Versicherung Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll über einen fragwürdigen Wohnungskauf zu einer ordentlichen Rendite verholfen haben soll.

Die gestrige Versammlung wurde von Ploner mit Spektakulärerem überrascht. Er ließ Orden anfertigen, die er den Uniqa-Chefs mitbrachte. Klien bekam den "Weißvonnichtsorden" Gottfried Wanitschek den "Lügenorden", Wolfgang Steinbach den "Vertuschungsorden", und Prokurist Franz Schmied den "Scheinmietvertragsorden". DER STANDARD distanziert sich von den in der parodistischen Ordensverleihung enthaltenen Vorwürfen. (Erich Félix Mautner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.5.2006)

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