Österreich hinkt bei Frauenanteil in der Forschung nach

15. März 2007, 16:59
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"Shefigures 2006" der EU-Kommission: Nur 21 Prozent aller ForscherInnen sind Frauen - Europäische Konferenz in Wien

Wien - Um mehr Frauen in die Forschung zu bringen, ist es nach Ansicht von EU-Kommissar für Forschung Janez Potocnik nötig, dass Politik, Universitäten und Betriebe mitspielen. Dabei sei das richtige Klima wichtiger als irgendwelche Quoten, sagte Potocnik bei einer Pressekonferenz anlässlich der "European Conference Re-searching Women in Science and Technology", die am Montag in Wien über die Bühne ging. Präsentiert wurde am Kongress auch die jüngste SheFigures-Erhebung, wobei Österreich in puncto Frauenanteil in der Forschung nachhinkt.

Der Anfang

Laut Josefine van Zanten von Hewlett Packard fängt das Problem bereits in den Schulen an. So würden Lehrer nachweislich in Fächern wie Physik oder Mathematik Burschen mehr Zeit widmen als Mädchen. Wenn es in den Betrieben an der Basis an Frauen in technischen Berufen fehle, so sei es auch schwer "Stars" heraus zu arbeiten und in leitende Positionen zu bringen. Grundsätzlich bräuchten forschungsintensive Betriebe "die besten Köpfe" unabhängig vom Geschlecht für das wirtschaftliche Florieren.

Mangelnde Vereinbarkeit Beruf/Familie

Für Vizekanzler Hubert Gorbach (B) ist es vor allem eine Frage der Motivation, Frauen in technische Berufe und in die Forschung zu bringen. Diese müsste bereits im Kindergarten beginnen. Spontane Kritik erntete Gorbach für seine Aussage, dass es das österreichische Bildungssystem grundsätzlich erlaube, dass Frauen Karriere machen oder zu Hause bei den Kindern bleiben könnten. Für die Gentechnikerin Renee Schroeder (Uni Wien) ist genau das Problem.

Eine Frau dürfe sich entscheiden müssen, ob sie Kinder bekomme oder in die Forschung gehe. Die Bedingungen müssten vielmehr beides ermöglichen. Ein Problem ist für die Wissenschafterin dabei etwa das Kindergeld und die Zuverdienstgrenze. "Sogar meine Dissertantinnen haben Probleme, diese Grenze für den weiteren Erhalt des Kindergeldes nicht zu überschreiten", bemängelte Schroeder.

In Zahlen

Österreich hinkt beim Frauenanteil in der Forschung im EU-Vergleich nach. Das zeigen die am Montag veröffentlichten "Shefigures 2006" der EU-Kommission. Demnach sind in Österreich (Stand 2003) nur 21 Prozent aller ForscherInnen Frauen - geringere Werte weisen nur Luxemburg, die Niederlande (je 17 Prozent) und Deutschland (19 Prozent) auf. Der EU-Schnitt liegt bei 29 Prozent. Einziges Land, in dem mehr Frauen als Männer in der Forschung tätig sind, ist Lettland (53 Prozent).

Gegenüber der letzten SheFigures-Erhebung vor drei Jahren mit Daten aus dem Jahr 1999 ist der Frauenanteil bei den ForscherInnen in Österreich um zwei Prozentpunkte gestiegen. Zurückzuführen ist die geringe Frauenquote vor allem auf den niedrigen Forscherinnen-Anteil im Industriesektor, wo in Österreich nur zehn Prozent aller WissenschafterInnen weiblich sind. Einen geringeren Wert weisen in der EU nur die Niederlande (neun Prozent) aus, Spitzenreiter ist Lettland mit 54 Prozent. Der EU-Schnitt beträgt 18 Prozent.

Hochschulbereich

Im Hochschulbereich liegt die Frauenquote bei den WissenschafterInnen in Österreich immerhin bei 30 Prozent (EU-Schnitt: 35 Prozent). Europa-Spitze sind in diesem Bereich Finnland und Lettland mit je 53 Prozent. Im öffentlichen Sektor beträgt der Frauenanteil bei den ForscherInnen mit 35 Prozent genau im EU-Schnitt, den Spitzenwert erreicht hier Estland mit 60 Prozent.

Auffällig bei den Statistiken ist jeweils der hohe Frauenanteil der baltischen Staaten. Dort ist aber umgekehrt die Forschungsquote (Anteil der F&E-Ausgaben am Bruttoinlandprodukts) vergleichsweise gering. Gleiches gilt für das bei der Frauenquote bestplatzierte "alte" EU-Land Portugal (44 Prozent Frauenanteil). Schweden und Finnland weisen dagegen sowohl eine vergleichsweise hohe Frauenquote bei den Wissenschaftern (36 bzw. 30 Prozent) als auch Top-Positionen bei der Forschungsquote auf. Österreich lag bei der Forschungsquote überdurchschnittlich, bei der Frauenquote dagegen unter dem Durchschnitt. (APA)

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