Zug ist nicht gleich Zug

12. Juni 2006, 16:45
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Polizeieinsatz nach Verwirrung von Touristen über Schienenwege zum Airport

Wien – Von schwer bewaffneten Polizisten empfangen zu werden, weil man falsche Zugtickets gelöst hat, ist nicht jedermanns Sache. Auch nicht die von Alberto T., einem Schweizer, der diese Erfahrung gemeinsam mit zwei Arbeitskollegen am Wiener Flughafen machen musste. An der österreichischen Gastfreundschaft zweifelt das Trio seit Ende April daher etwas.

Die Vorgeschichte des Polizeieinsatzes: Herr T. und seine beiden Kollegen haben auf ihrem Umsteigeairport Wien-Schwechat mehrere Stunden Aufenthalt, die sie für eine Stadtbesichtigung nutzen wollen. Hat Herr T. doch Vorfahren aus der Monarchie und lebte in den 70er-Jahren selbst einmal fast zwei Jahre in Österreichs Bundeshauptstadt. Ins Zentrum wollen sie mit dem CAT, dem City-Airport-Train, kommen.

Schnellbahn statt CAT

Man kauft also am Flughafen CAT-Tickets um 27 Euro. Und steigt irrtümlicherweise in die auf dem Nebengleis abfahrende Schnellbahngarnitur ein. Um Zeit zu sparen, löst Herr T. in der S-Bahn-Station Wien-Mitte Karten für die Retourfahrt: neun Euro für alle drei, also nur ein Drittel des CAT-Preises.

Während der Stadtbesichtigung beschleichen den Schweizer Zweifel. Zurück in Wien-Mitte, diesmal beim CAT-Automaten, kontrolliert er die Preise und erkennt seinen Irrtum. Es folgt ein verhängnisvoller Fehler. Herr T. kauft nur zwei CAT-Karten, in der Annahme, dass zusammen mit den drei S-Bahn-Karten à drei Euro die Rechnung wieder stimmt – insgesamt zahlt er ja wieder 27 Euro.

Die Schaffnerin im CAT kann dem nichts abgewinnen. Dass Zug nicht gleich Zug ist und die S-Bahn zu 100 Prozent den ÖBB gehören, der CAT aber zu 49,9 Prozent den ÖBB und zu 50,1 Prozent dem Flughafen, erklärt sie nach Herrn T.s Schilderung nicht. Sie will nur den Ticketpreis. Kreditkarten werden nicht akzeptiert, stattdessen wird die Polizei informiert.

Polizisten am Flughafen

Und so erwarten vier Polizisten, einer davon mit Maschinenpistole, das Trio auf dem Flughafen. Um unter den interessierten Blicken der anderen Reisenden die ordnungsgemäße Bezahlung der neun Euro zu überwachen.

Bei der CAT-Pressestelle bestätigt man den Vorfall und "bedauert, dass dadurch für den Fahrgast und seine Begleiter eine unangenehme Situation entstanden ist". Allerdings: Wie im Nahverkehr üblich, werde die Polizei gerufen, um Personalien von Personen ohne Ticket aufzunehmen. Mit welcher Bewaffnung und in welcher Mannstärke die Exekutive erscheint, liege nicht im CAT-Bereich. (Michael Möseneder; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.5.2006)

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    foto: derstandard.at/graf
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