Gebildet und arbeitslos

12. Juli 2006, 14:39
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Das aktuelle Wirtschaftsbuch

Was Barbara Ehrenreich in dem Buch über die USA beschreibt, ist in Ansätzen auch in Europa spürbar: arbeitslose Angehörige der Mittelschicht im besten Berufsalter, die sich trotz ansehnlicher Ausbildung und Qualifikation jahrelang abmühen, eine halbwegs adäquate Festanstellung zu ergattern.

Wie bereits für ihr Buch "Arbeit poor" (damals untersuchte sie den Niedriglohnsektor) hat Ehrenreich im Selbstversuch recherchiert. Ausgerüstet mit einer neuen Identität und einem Lebenslauf voller Qualifikationsnachweisen warf sie sich ein Jahr erfolglos auf den Arbeitsmarkt; kein einziges Mal war ein Job auch nur in greifbarer Nähe.

Stattdessen kommt sie in Berührung mit der vielfältigen Dienstleistungsgesellschaft, die dem qualifizierten Arbeitssuchenden zur Hand geht und die gegen Honorar Expertise zu all dem gibt, was neben Qualifikation auch wichtig ist: Auftreten, Kleidung, Networking. Bereiche, und das kritisiert Ehrenreich, die der Qualifikation den Rang abzulaufen scheinen.

Ein großer Teil des Buches beschäftigt sich mit der Rolle des Internets bei der Jobsuche: die unzähligen Bewerbungs-Mails, auf die nur eine computergenerierte Antwort kommt und auf die es auch nach telefonischem Nachfassen keine Einladung zu einem Gespräch gibt. Kein einziges Mal. (ruz, DER STANDARD, Print, 15.5.2006)

Barbara Ehrenreich: Qualifiziert & arbeitslos. Eine Irrfahrt durch die Bewerbungswüste.
Verlag Kunstmann, Euro 20,60. ISBN 3-88897-436-4
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