Die Frau mit den neun Achttausendern

12. Juni 2006, 16:17
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Gerlinde Kaltenbrunner hat mit dem Kangchendzönga als erste Alpinistin neun Achttausender bezwungen

Salzburg – Gerlinde Kaltenbrunner ist seit Sonntag ihrem Traum, alle 14 Achttausender zu besteigen, einen gewaltigen Schritt näher gekommen. Die 35-jährige Oberösterreicherin erreichte den Gipfel des 8585 Meter hohen Kangchendzönga gegen halb fünf Uhr am Nachmittag nepalesischer Ortszeit. Mit ihr war auch der Leiter der deutschen Expeditionsagentur "amical alpin", Kaltenbrunners Seil- und Lebensgefährte Ralf Dujmovits, am "Kantsch", wie der Berg in Alpinistenkreisen genannt wird. Auch dem Finnen Veikka Gustafsson, dem Australier Andrew Locke sowie dem japanischen Alpinisten Hiro Takeuchi gelang der Gipfel.

Takeuchis Leistung ist besonders bemerkenswert: Der Japaner ist vergangenes Jahr am Mount Everest an einem lebensgefährlichen Hirnödem erkrankt und konnte von Kaltenbrunner und Dujmovits in letzter Minute gerettet werden. Für Kaltenbrunner war der Erfolg am "Kantsch" übrigens ihr zweiter Versuch am dritthöchsten Berg der Welt: Vor drei Jahren hatte sie die Expedition auf etwa 7200 Metern abbrechen müssen.

Begleiter stürzte in Gletscherspalte

Kaltenbrunner berichtete via Internet von einem äußerst schwierigen Weg zum Gipfel, der den Bergsteigern weit mehr Kletterei abverlangte als vermutet. Der wetterbedingt relativ späte Gipfelgang der fünfköpfigen Gruppe ließ den Rückweg vom Gipfel zum Lager III auf rund 7700 Meter Seehöhe bei einbrechender Dunkelheit noch einmal zu einem riskanten Unternehmen werden: Dujmovits stürzte in eine Gletscherspalte. Seine Begleiter konnten ihn aber unverletzt bergen.

Mit dem Kangchendzönga ist Kaltenbrunner derzeit die erfolgreichste Höhenbergsteigerin aller Zeiten. Ihre Liste von eindrucksvollen Erfolgen lässt viele der männlichen "Extremen" vor Neid erblassen: Nach dem Vorgipfel des Broad Peak im Karakorum folgten von den Achttausendern 1998 der Cho Oyu, 2000 das erste Mal der Shisha Pangma, 2001 der Makalu, 2002‑ der Manaslu, 2003 der Nanga Parbat und 2004 im Doppelpack Annapurna und Gasherbrum I. Vergangenes Jahr kam noch der Gasherbrum II hinzu.

Damit liegt Kaltenbrunner nicht nur vor der Spanierin Edunre Pasaban, sondern auch vor der legendären Polin Wanda Rutkiewicz, die 1992 am Kangchendzönga für immer verschollen blieb. (Thomas Neuhold; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.5.2006)

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    Die Oberösterreicherin Gerlinde Kaltenbrunner ist die erste Frau, die neun Achttausender bezwang.

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