Bawag lastet auf Börsengang

12. Juni 2006, 11:11
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Wohl wird die Post-Aktie ein sicherer Dividenden­bringer - ganz so sicher, wie die Post es weis­machen will, dürfte sie aber doch nicht werden

Wien - Das sichere Dividendenpapier, das die Österreichische Post nach ihrem Börsengang am 31. Mai sein will, birgt nun doch mehr Risiken in sich, als beim Verkaufsbeschluss im Jänner angenommen. Das prominenteste Risiko im 297 Seiten starken Börsenprospekt ist zweifellos der Finanzdienstleister der Post: die Bawag P.S.K.

Die ins Trudeln geratene Gewerkschaftsbank steuert zur Post-Bilanz immerhin einen Betrag in Höhe des Konzernergebnisses vor Steuern und Zinsen (Ebit) des gelben Staatskonzerns bei, also rund 100 Millionen Euro. Die Umsätze aus diesen Finanzdienstleistungen erwartet das Post-Management unter Generaldirektor Anton Wais nach den umfangreichen Geldabflüssen verunsicherter Bawag-Kunden heuer bereits um zehn bis 15 Prozent niedriger als 2005. "Unter der Annahme, dass Provisionseinnahmen aus anderen Produkten im Rahmen der Kooperation weiterhin nicht beeinträchtigt werden."

Weitere Unsicherheitsfaktoren

Weitere Unsicherheitsfaktoren: Niemand weiß, wie es mit dem P.S.K.-Geschäft nach dem Verkauf der Bank weitergeht. Wohl haben Post und P.S.K. einen 2012 erstmals kündbaren Vertrag, der könnte - im Einvernehmen - früher beendet werden. Sollten die Einnahmen verloren gehen, wovon Post-Finanzchef Rudolf Jettmar derzeit definitiv nicht ausgeht, wie er am Montag bei der Präsentation der Börsenstory zum STANDARD sagte, hätte dies "wesentliche negative Auswirkungen" auf die Ertragslage der Post: Sie müsste die Kosten für das flächendeckende Filialnetz und die großteils beamteten Mitarbeiter weiter tragen.

Nahtlos selbst weiterführen könnte sie das Geschäft nicht, dazu bräuchte sie eine Konzession, die man sich nicht auf Vorrat holt. "Wir vertrauen voll auf die Verlässlichkeit der Regierung", sagte Jettmar in Anspielung auf die 900 Millionen Euro an Haftungen, die die Republik zwecks Bawag-Rettung übernommen hat. Offen ist freilich auch, ob die Post mit dem neuen Bankeigner, der erst gesucht wird, einen ähnlich komfortablen Vertrag abschließen kann wie seinerzeit mit der P.S.K. Teuer kommen kann auch ein Streit mit der Bawag, denn der P.S.K.-Vertrag kann zulasten der Post ausgelegt werden.

Liberalisierung in der EU

Unsicherheit bringt auch die Post-Liberalisierung in der EU, denn die Post erwirtschaftet 58 Prozent ihres Umsatzes im Monopolbereich, der ab 2009 weiter eingeschränkt werden soll. Außerdem kommen noch immer 98,2 Prozent des Post-Umsatzes aus Österreich, einem Markt, der nur noch beschränkt wächst.

Ein Risiko stellt im Prinzip auch der Eigentümer und größte Post-Kunde dar: die Republik Österreich und ihre Bundesbeschaffung GmbH. Würden sie ihre Post von der Post abziehen, schrumpften Umsatz und Ertrag. Vor Beginn der Zeichnungsfrist wollte Post-Präsident und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis solche Möglichkeiten nicht einmal andenken.

Derzeit überwiegt Optimismus: Bis 31. Mai können Post-Aktien um je 17 bis 19 Euro geordert werden, was bis zu 670 Mio. Euro in den Bundeshaushalt spülen sollte. Eine Umsatzprognose für 2006 gibt es nicht, dafür steht die Höhe der Dividende schon fest: 70 Mio. Euro. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.5.2006)

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    Post-General Anton Wais (li.) und ÖIAG-Chef Peter Michaelis sehen für die gelbe Post eine rosarote Zukunft mit schwarzen Zahlen.

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