Frauen werden zu Geschöpfen mit minderen Rechten

3. Juni 2000, 20:00

Für Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit und die Stärkung der Zivilgesellschaft

Hamburg - Bundespräsident Johannes Rau hat auf dem deutschen Katholikentag dazu aufgerufen, sich für die Grundrechte im Alltag stark zu machen.

Die Geschichte habe gezeigt, wohin es führe, wenn nicht gleiches Recht für alle Menschen gilt: "Dann werden Ungläubige im Namen eines einzig wahren Glaubens unterdrückt. Dann wird Menschen das Lebensrecht genommen. Dann werden psychisch Kranke weggesperrt, ja ermordet. Dann werden Ausländer als Menschen zweiter Klasse behandelt. Dann werden Frauen zu Geschöpfen mit minderen Rechten erklärt."

Der Bundespräsident betonte, das Grundgesetz schütze die Freiheit des Glaubens und die Rechte von Minderheiten. Es setze aber auch Grenzen, die niemand unter Hinweis auf seine Herkunft oder seinen Glauben außer Kraft setzen dürfe. Dies gelte in besonderer Weise für die Rechte der Frauen: "Jeder muss wissen, dass die Benachteiligung von Frauen aus traditionellen oder kulturellen Gründen nicht nur falsch, sondern unzulässig ist." Es gebe noch viel zu tun, vor allem überall dort, wo Familie und berufliche Arbeit besser miteinander vereinbart werden sollten.

Berlin-Gipfel

Für Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit und die Stärkung der Zivilgesellschaft haben 14 Staats- und Regierungschefs bei ihrem Reformgipfel in Berlin plädiert. Der Globalisierung dürfe nicht freier Lauf gelassen werden, hieß es in einer Erklärung, die am Samstag in der Schlussrunde der Konferenz "Modernes Regieren im 21. Jahrhundert" verabschiedet wurde. Darin sprechen sich die Staats- und Regierungschefs auch für finanzielle Regulierungsmaßnahmen, die Stärkung des Bildungssektors und eine klare Einwanderungs- und Asylpolitik aus.

Als zentrale Werte einer modernen Gesellschaft werden in der Erklärung "Chancen für alle, Verantwortung seitens aller und Gemeinschaft mit allen" genannt. Die Politik müsse ein Umfeld schaffen, das zur Förderung der Bürgerrechte, der Beschäftigung und des Wohlstands sowie zur Chancengleichheit von Männern und Frauen beiträgt. Bildung sei von "ausschlaggebender Bedeutung" für Gleichberechtigung. Die Stärkung des Hochschulsektors sowie die Förderung des lebenslangen Lernens hätten deswegen "höchste Priorität". (APA/dpa)

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