Schüler demonstrieren gegen Erziehungsminister

1. Juni 2006, 11:18
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Giertych will mehr "Patriotismus und moralische Werte" an den Schulen

Warschau - Tausende Schüler haben am Wochenende in Polen in mehreren Städten des Landes gegen den neuen Erziehungsminister Roman Giertych von der nationalistischen Liga Polnischer Familien (LPR) demonstriert. Auf Kundgebungen in Warschau, Breslau (Wroclaw), Krakau, Danzig (Gdansk) und anderen Städten forderten sie den Rücktritt des LPR-Vorsitzenden, der auch stellvertretender Regierungschef ist.

Nachdem Giertych bereits angekündigt hatte, er wolle mehr Patriotismus und moralische Werte in die Schulen bringen, befürchten die Jugendlichen ein Klima der Intoleranz und Klerikalisierung an den Schulen. Auf Transparenten forderten sie "Freie Schulen, Religion in die Kirche" und "lieber emigrieren als von Giertych erzogen werden".

Intoleranz und Fremdenhass

Unterstützung erhielten die Schüler von Lehrerverbänden, die kritisierten, dass mit Giertych erstmals seit 1989 ein Politiker und nicht ein Pädagoge für Schulwesen und Erziehung zuständig sein. Noch schlimmer sei, dass Giertych der extremen Rechten nahe stehe und eine Sprache der Intoleranz und des Fremdenhasses gebrauche, hieß es in einer Stellungnahme der Gesellschaft zur Unterstützung der Wissenschaften.

In einem offenen Brief an Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz fordern Schüler, Studenten und Intellektuelle die Entlassung Giertychs. Seine Ernennung sei "schädlich für Polen und kompromittiert uns in den Augen Europas und der Welt", hieß es in dem Schreiben, das innerhalb von 40 Stunden etwa 60.000 Giertych-Gegner unterschrieben. (APA/dpa)

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