Demonstration gegen Zuschüsse für Vlaams Belang

7. Oktober 2006, 17:34
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Belgien über rassistisch motivierten Doppelmord entsetzt - Mörder wuchs in rechtsextremem Umfeld auf

Brüssel - Rund 1200 Menschen haben am Sonntag in Brüssel gegen staatliche Zuschüsse für die ausländerfeindliche Partei Vlaams Belang demonstriert. Mit ihrem friedlichen Zug durch die Innenstadt reagierten die Demonstranten auf einen rassistisch motivierten Doppelmord in Antwerpen am Donnerstag. Sie warfen dem Vlaams Belang vor, den Nährboden für Gewalttaten gegen Einwanderer zu schüren. Auch Politiker verschiedener Parteien sprachen sich für einen Stopp staatlicher Zahlungen an die Partei aus.

Am Dienstag werde der Justizausschuss des Parlaments die vor Jahren begonnenen Beratungen mit höchster Dringlichkeit wieder aufnehmen, berichteten belgische Medien. Am Tag nach der Bluttat hatte Premierminister Guy Verhofstadt den Parlamentspräsidenten und die Ausschussvorsitzende, die beide seiner liberalen Partei angehören, zu einer schnellen Gesetzesänderung gedrängt.

Beileidsbriefe

Bürger Antwerpens legten auch am Sonntag Blumen und Beileidsbriefe an den Orten in der Innenstadt nieder, wo ein 18-Jähriger am Donnerstag eine junge Afrikanerin und ein zweijähriges Mädchen erschossen und eine Türkin schwer verletzt hatte.

Der Todesschütze hatte ein Jagdgewehr und 20 Schuss Munition gekauft, bevor er gezielt auf Menschen fremder Herkunft schoss. Bei seinem ersten Verhör sagte er der Staatsanwaltschaft, das zweijährige Kind heller Hautfarbe habe "Pech gehabt": Er habe das Kind erschossen, weil es "zur falschen Zeit am falschen Ort" gewesen sei. Die Zweijährige fuhr auf einem Dreirad neben ihrem Kindermädchen aus Mali, das eine sechsjährige Tochter hinterlässt.

Rechtsextremes Umfeld

Der geständige Todesschütze ist in einem rechtsextremen Umfeld aufgewachsen. Seine Tante Frieda Van Themsche sitzt für den Vlaams Belang im belgischen Parlament. Sein Vater gehört zu den ersten Mitgliedern der Partei, die bis 2004 unter dem Namen Vlaams Blok firmierte. Der Großvater des 18-Jährigen kämpfte im Zweiten Weltkrieg für Nazi-Deutschland als Freiwilliger an der Ostfront.

Vorstandsmitglieder der Partei, die bei der Kommunalwahl in Antwerpen 1999 mit einem Drittel der Stimmen stärkste Kraft wurde, wiesen jede Verbindung mit der Tat von sich. "Der Vlaams Belang ist hierfür weder moralisch noch politisch verantwortlich", sagte Parteichef Frank Vanhecke der Zeitung "De Standaard". (APA/dpa)

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