Blackberry erleichtert China die Zensur

13. Mai 2006, 11:55
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Zentralisierte Speicher vereinfachen den Zugriff auf E-Mails

Research in Motion (RIM) führt im Joint Venture mit China Mobile nun endlich Blackberry in China ein (Der WebStandard Artikel). Wie die New York Times kürzlich berichtete, gab es bereits 2004 Versuche, in China Fuß zu fassen. Die Pläne verzögerten sich aber, da die Behörden laut Zeitungsberichten befürchteten, die Kontrolle über den E-Mail-Verkehr zu verlieren. Nun wird allerdings kritisiert, dass der drahtlose E-Mail-Client Blackberry es der chinesischen Regierung leichter machen wird, Inhalte zu kontrollieren und zu zensieren.

Zentralisierte Struktur

Während der Übertragung zwischen Handheld und E-Mail-Server sind die Daten zwar so raffiniert verschlüsselt, dass es fast unmöglich ist auf die Inhalte zuzugreifen, sobald sie aber dekodiert sind, sei es leichter denn je an Informationen heranzukommen, wie Kritiker meinen. Das sei auf die zentralisierte Struktur zurückzuführen, die es ermögliche auf gebündelte Informationen zuzugreifen: Ein Server überwacht die Mailbox des Benutzers auf eingehende Mails und leitet diese an das Network Operation Center (NOC) von RIM weiter. Von dort werden die Mails an den Mobilfunkprovider geschickt und dann per Funk an den Blackberry übertragen.

E-Mail Verkehr überwachen

Die ursprüngliche Zielgruppe von RIM waren US-amerikanische Firmen, in denen es üblich ist, den E-Mail Verkehr von Mitarbeitern zu überwachen. Das liegt daran, dass sich Firmen in den USA dafür verantwortlich zeigen müssen, was Angestellte in ihren E-Mails schreiben. Daher sind sowohl der Firmen-, als auch der Blackberry-Server in der Lage Inhalte zu kontrollieren. Es können Einstellungen getroffen werden, so dass jede E-Mail automatisch als Blindkopie an einen bestimmten Empfänger gesandt wird, außerdem ist es einfach, Nachrichten zu speichern und Datenbanken über den E-Mail-Verkehr zu erstellen.

Zensur im Internet

Laut OpenNetInitiative sind Chinas Versuche E-Mails zu überwachen noch nicht sehr ausgereift. Das Projekt der Universitäten Cambridge, Oxford und Harvard untersucht, wie weit die Zensur im Internet fortgeschritten ist. Laut der Initiative müssen sich die Behörden momentan darauf beschränken, die Betreff-Zeilen nach inakzeptablen oder subversiven Wörtern abzusuchen. Ganze Nachrichten zu scannen scheint derzeit noch über den technischen Möglichkeiten zu liegen.

Der Blackberry-Verkauf wird in China voraussichtlich diesen Herbst starten. Doch auch dort hat RIM Konkurrenten: Unter dem Namen RedBerry betreibt China Unicom ein ähnliches E-Mail-Service für Handys, zu geringeren Kosten (pte)

  • Artikelbild
    bild: pte/rim
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