Alla Turca: Mozart fetzt in die Herzen

12. Juni 2006, 14:16
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Mit "Pùnkitititi" zieht die Klassik in Schulen von Stadtrandsiedlungen ein

Wien - Die Kinder kommen herein und wundern sich. Drei orange gekleidete Gestalten liegen am Boden des Turnsaales. Staunend setzen sich die Schülerinnen und Schüler - da beginnen sich die Orangen zu räkeln, zu strecken, richten sich auf, beginnen zu schnippen, zu klatschen und schon geht es los mit dem "Pùnkitititi-Rap".

Dass dieser kindische Name von Mozart stammt, wissen die Kids schon längst. Auch dass auf der übermütigen Fahrt nach Prag im Jahre 1787 Constanze SchablaPumfahieß, der mitreisende Hofer Rozka-Pumpa und Stadler - Nàtschibinìtschibi.

Klassik, einmal anders

In dieser Welt leben sie jetzt, die Kids der früher so berüchtigten Mitterhofer-Siedlung in Floridsdorf; auch "Klein Manhattan" genannt. Dieser Tage fährt eine Kutsche durch die Anlage, aus der Mozart von seinen Reisen berichtet - und in der Volksschule an der Brünner Straße wird unermüdlich gewerkt und geprobt. In den "Pùnkitititi"-Workshops" wird Klassische Musik einmal anders vermittelt.

Die Instrumente haben die Kids selbst auf dem Schrottplatz gesucht und zusammengebastelt. Jetzt wird komponiert, geprobt, gerasselt, geklopft, gescheppert. Mit Crescendo und Diminuendo - auf dass ein musikalisches großes Pferd vorbeigaloppiert.

"Würdige Geburtstagsfeier"

"Man müsste das eigentlich zu einer Dauereinrichtung machen", überlegt Mozartjahr-Intendant Peter Marboe. "Damit in zehn Jahren jede Schule so etwas einmal erlebt." - "Jede Schule jedes Jahr vier Mal", will die Opernsängerin Angelika Kirchschlager als Schirmherrin von "Pùnkitititi" gleich noch mehr. "Wie könnte man Mozarts Geburtstag würdiger und sinnvoller feiern, als ihn denjenigen zu schenken, die noch ein ganzes Leben mit ihm vor sich haben?"

Da, auf einmal, mitten im konzentrierten Klopfen, Rasseln und Zupfen: Ein jähes "Quääääää" und Getrommel vom Gang. Eine türkische Gruppe kommt mit ordentlichem Radau herein, macht ein Spektakel mit Zurna und Davul. Das fetzt, das ist so richtig alla turca - jetzt ist Mozart endgültig angekommen.

Am 20. Mai wird er von den Kindern dann ganz "Klein Manhattan" weiter geschenkt. Ab 13 Uhr bei einer großen Openair-Aufführung in der Mitterhofersiedlung. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 13./14.05.2006)

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