Juve, wie es ringt und kracht

14. Juli 2006, 23:49
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Der Skandal im italienischen Ligafußball zieht immer weitere Kreise, er könnte Juventus den Zwangs­abstieg bescheren

Rom - Ein Punkt in Bari gegen den Tabellen-14. Reggina, und Juventus Turin könnte am Sonntag, so gegen 17 Uhr, den 29. Meistertitel feiern. Könnte, denn zu feiern gibt es für den italienischen Rekordmeister dieser Tage und wohl auch in den nächsten Wochen nichts. Die "Alten Dame"steht im Mittelpunkt eines Skandals, gegen den alle in den vergangenen Monaten im europäischen Fußball ruchbar gewordenen Malversationen laue Lüfterln waren. Ein Zwangsabstieg von Juventus scheint nicht länger ausgeschlossen.

2/3 Drittel der Spiele manipuliert

Am Donnerstagabend war der gesamte Vorstand um Geschäftsführer Antonio Giraudo und Manager Luciano Moggi zurückgetreten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Neapel sollen in der Saison 2004/05 29 von 38 Ligaspielen von Juventus manipuliert worden sein. Moggi und Giraudo werden Absprachen mit dem Schiedsrichter-Koordinator der Serie A, Pierluigi Pairetto, und anderen Referees, darunter der für die WM nominierte Massimo De Santis, vorgeworfen.

Nach einem Bericht der Gazetta dello Sportist auch Italiens Teamchef Marcello Lippi, bis Sommer 2004 Trainer von Juventus, in den Skandal verwickelt. Moggi habe mehrmals erfolgreich Druck auf Lippi ausgeübt, gewisse Spieler ins Nationalteam einzuberufen. Damit sollten vor allem Klienten der Vermittlungsgesellschaft von Moggis Sohn Alessandro gefördert werden. Lippi empört: "Ich habe immer korrekt gehandelt."

Spieler im Verdacht des Wettbetrugs

Unter Verdacht stehen seit Freitag auch Team- und Juve-Torhüter Gianluigi Buffon sowie drei ehemalige Spieler der Turiner, darunter Enzo Maresca, der erst am Mittwoch mit zwei Toren gegen Middlesbrough maßgeblich am 4:0-Erfolg des FC Sevilla im Finale des UEFA-Cups beteiligt war. Das Quartett soll über Strohmänner hohe Summen auf bestimmte Spiele der vergangegen Saison gewettet haben. Zur Abrundung des Sittenbilds wurde Michele Padovano, ehemaliger Juve- und Teamstürmer, wegen des Verdachts auf Drogenhandel in großem Stil verhaftet.

"Der italienische Fußball versinkt im Schlamm wie noch nie", schrieb die Sportzeitung Corriere dello Sportam Freitag. "Der Zusammenbruch der Spitze bedeutet das Ende einer Ära", kommentierte La Repubblicadie Verwerfungen bei Juventus, die längst auf den gesamten Profikick in Italien übergegriffen haben.

Schon am Montag war Verbandspräsident Franco Carraro zurückgetreten. Am Donnerstag folgte Stellvertreter Innocenzo Mazzini dessen Beispiel. Laut Ermittlungen sollen sie über Absprachen informiert gewesen sein. Ermittelt wird nicht mehr gegen Juventus allein. Auch für Fiorentina, Lazio, Udinese, Messina, Siena sowie die Zweitligisten Arezzo, Crotone und Avellino interessiert sich die Justiz.

Bei Juventus, dessen Aktien im freien Fall sind, soll Fiat-Vizepräsident John Elkann vom Agnelli-Clan mit den Aufräumarbeiten betraut werden. Für die Verbandsspitze gilt Torhüter-Idol Dino Zoff als erster Kandidat. (DER STANDARD Printausgabe 13.05.2006)

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    Der Tscheche Pavel Nedved führt am Sonntag eine ob des Skandals völlig verunsicherte Mannschaft ins entscheidende letzte Liga-Saisonspiel in Bari gegen Reggina.

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