Wie taugte Mozart Passau?

19. Mai 2006, 21:17
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Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet

Andrea Stephanie Christa möchte wissen, wie es Mozart in Passau gefallen hat.



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Der Berliner Schriftsteller und Verleger Friedrich Nicolai, ein Zeitgenosse Mozarts, schreibt in einem seiner Reiseberichte einmal, dass viele - männliche - Besucher nur deshalb nach Passau kämen, um sich vor Ort von der vielgerühmten "Schönheit der Passauerinnen" ein Bild zu machen.

Seither ist viel Wasser die Donau hinuntergeflossen, und soviel ich weiß, fährt heute kein Mensch mehr nach Passau, weil dort die Frauen besonders schön wären. Eher wird die Stadt am Zusammenfluss von Inn, Ilz und Donau wegen ihrer Sehenswürdigkeiten und der periodisch auftretenden Hochwasser besucht. Außerdem bildet Passau einen idealen Ausgangspunkt nicht nur für die Personenschifffahrt auf der Donau, sondern auch für Radtouren bis ans Schwarze Meer (wenn man sehr viel Zeit und noch mehr Kondition hat).

Mozart selbst hielt sich nur ein einziges Mal in Passau auf, und zwar vom 20. bis 26. September 1762. Die Bischofsstadt war Ausgangspunkt der großen Reise, die den knapp siebenjährigen Buben samt Schwester, Eltern und Diener auf dem Wasserweg bis nach Wien führte. Die Familie logierte damals am Ufer des Inns im Gasthof "Zum roten Krebs" (heute Oberer Sand 1), wo sich auch eine gut versteckte Gedenktafel befindet. (Ein Tipp: Man muss durch das Lokal in den ersten Stock gehen und von dort auf die Terrasse, sonst sucht man vergebens.) In der prachtvollen Residenz konzertierte Wolfgang vor dem Fürstbischof (nicht Erzbischof!) Joseph Maria Reichsgraf Thun-Hohenstein und erhielt dafür "einen ganzen Dukaten", wie Leopold Mozart stolz berichtete. Um diesen Betrag hätten sich die Mozarts samt Diener in Salzburg je ein Paar Filzschuhe oder zweieinhalb Liter Olivenöl aus der Provence kaufen können.

Dieser Auftritt war eine Art Aufwärmübung für die wichtigen Konzerte in Linz und Wien, die Wolfgang und Nannerl in den darauf folgenden drei Monaten mit Bravour absolvieren sollten. Dass die Familie Mozart in Passau den Dom St. Stephan, also die Mutterkirche des Stephansdoms zu Wien, besuchte, gilt als sicher. (ALBUM/DER STANDARD, Printausgabe13./14.5.2006)

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