Industrie und Länder unter Strom

23. Mai 2006, 18:54
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Die Fusion von OMV und Verbund weckt in der Industrie Ängste vor Abhängigkeiten. Auch in den Ländern hält der Widerstand an

Wien - Die geplante Verschmelzung von OMV und Verbund zu einem Öl-, Gas-und Stromkonzerns europäischen Formats schlägt in Österreich weiter hohe Wellen. Kritische Stimmen kommen nicht nur aus Ländern wie Wien und Niederösterreich, die zusammen etwa 25 Prozent am Verbund halten und um Mitspracherechte fürchten; auch in der Industrie werden Stimmen lauter, die vor einer zu starken Machtkonzentration in einem Unternehmen warnen.

"Wir sehen diesen Zusammenschluss kritisch", sagte der Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich, Wolfgang Welser, am Freitag bei einer Tagung in Baden. Strom und Gas stellten für viele Unternehmen einen gewaltigen Kostenblock dar. Daraus leite sich der Wunsch nach mehr Alternativen ab.

"Zusätzliche Dynamik"

Wichtig sei nun, dass die Preise für die Durchleitung von Strom und Gas weiter sinken - eine Aufgabe der Regulierungsbehörde E-Control. Nur so könnten verstärkt auch ausländische Anbieter nach Österreich kommen und für Konkurrenz sorgen, sagte der Energie- und Umweltsprecher der Sparte Industrie, Michael Zimmermann.

Der Chef der Energie AG Oberösterreich, Leo Windtner, ortet im STANDARD-Gespräch durch die geplante Fusion von OMV und Verbund nun eine "zusätzliche Dynamik" für Pläne der Energieversorger im Westen Österreichs, stärker zusammenzuarbeiten.

Eine härtere Gangart hat unterdessen Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider gegen die Pläne von OMV und Verbund angekündigt. Er will mit anderen Ländern, die wie Kärnten Anteile an der Verbund-Tochter Austrian Hydro Power (AHP) besitzen, eine Allianz schmieden, um die Wasserressourcen für Österreich zu sichern.

Energie-Regulator Walter Boltz hält die Megahochzeit für "grundsätzlich genehmigungsfähig"; OMV und Verbund müssten aber wohl einige Zugeständnisse machen. So stelle sich etwa die Frage, welche Auswirkungen der Zusammenschluss eines großen Gaskunden mit einem Großlieferanten und Generalimporteur von Gas auf den Großhandel habe.

"Gute Sache"

Es gibt aber auch Unterstützung für den OMV-Verbund-Deal. "Das ist eine gute Sache", sagte Johannes Benigni, Leiter des Wien-Büros des international tätigen Ölhändlers PVM. Der Verbund könne sich aus der "Geiselhaft der Länder" befreien, die ihn bisher in seinem Expansionsbestreben behindert hätten.

Voraussetzung für das Zusammengehen von OMV und Verbund ist das Fallen der 51 Prozent-Mehrheit der Republik am Verbund. Dazu muss das Verstaatlichungsgesetz geändert werden - die dafür notwendige Zustimmung der SPÖ scheint gesichert. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hielte es für sinnvoll, wenn in einem Aufwasch auch die öffentlichen Mehrheiten in den Ländern abgeschafft würden. Er fügte aber hinzu, dass die Länder dies autonom entscheiden sollten (siehe dazu Artikel Bartenstein: Öffentliche Mehrheit soll auch bei Landesversorgern fallen).

Die Reaktion kam postwendend - und fiel einhellig aus. Die Länder wollen an ihren Landesenergieversorgern mehrheitlich beteiligt bleiben (siehe Artikel Bundesländer denken nicht an Teil-Rückzug bei Landes-Versorgern). (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.5.2006)

  • Landesversorgern wie die EVN (im Bild das Kleinwasser- kraftwerk Merkenstetten) sehen die Beteiligung am Verbund als strategisch wichtig und wollen nicht davon lassen.
    foto: evn

    Landesversorgern wie die EVN (im Bild das Kleinwasser- kraftwerk Merkenstetten) sehen die Beteiligung am Verbund als strategisch wichtig und wollen nicht davon lassen.

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