Was gespielt wird

12. Juni 2006, 21:55
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Die in den Grundzügen fertig gestellte Theaterreform ähnelt einem Rohbau, für die man noch keine geeigneten Mietern hat - Von Ronald Pohl

Manche Verwaltungsakte ähneln umfangreichen Bewirtschaftungsvorgängen. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) hat die vielfach vertrocknete Theaterlandschaft in Wien wie ein guter Planungsvater neu vermessen. Er hat die Protagonisten ausforschen lassen, hat Bedürfnisse erhoben, Notwendigkeiten anerkannt oder auch nicht, und er hat, wie er nicht müde wird zu betonen, "Geld in die Hand genommen". Recht viel Geld. Nur gesagt, was jemanden zu so viel Umtriebigkeit anstiftet - das hat er nicht.

Insofern ähnelt die in den Grundzügen fertig gestellte Theaterreform einem Rohbau, den man für seine Licht- und Luftdurchlässigkeit lobt, ehe man darangeht, sich nach geeigneten Mietern umzuschauen. Die Kulturverwaltung, die sich schlauerweise auch noch der Mitwirkung ihrer politischen Mitbewerber versichert, die an der tendenziellen Preisgabe ihrer Kontrollaufgaben nichts Verwerfliches finden können, weiß oberhalb der Referendar-Ebene nicht im Geringsten zu sagen, was sie in Wahrheit künstlerisch umtreibt.

Posaunten frühere Werbeslogans noch "ganz oder gar nicht", wenn sie die Konzentration von endlich vielen Fördergeldern auf möglichst umrissene Zwecke meinte, ist so viel hehre Streitbarkeit längst einem gusseisernen Pragmatismus gewichen. Ein bisschen hat man umverteilt. Solche, die in der Gunst stehen, aber künstlerisch weniger ersprießlich wirken, speist man aus neuen oder aus ganz anderen Geldtöpfen. Oft reicht auch schon die Freundschaft mit dem Bürgermeister. Inhaltliche Besinnungen auf die zusehends gefährdete Kunstform Theater werden geflissentlich vermieden. So kann, trotz aller Bemühungen, Theater in Wien nur werden, was es zum Teil längst geworden ist: ein beliebiges Angebot zur urbanen Raumbehübschung. (DER STANDARD, Printausgabe, 13./14.5.2006)

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