Käufer und Kläger begehren Bawag

24. Mai 2006, 09:25
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Während immer mehr Interessenten auftau­chen, erweisen sich die Vergleichsverhandlungen der Bank in den USA als schwieriger als erwartet

Wien – Der Freitag war einmal mehr ein bewegter Tag in der Gewerkschaftbank Bawag P.S.K. Um zehn Uhr war der neue Aufsichtsrat des Instituts zusammengetreten; Vorstandschef Ewald Nowotny berichtete über die aktuelle Lage, erörterte den ersten Bilanzentwurf für das Jahr 2005.

Es wurden allerdings auch Fakten gesetzt: Der Vorstand der Bank, der nach der Entfernung von vier Mitgliedern wieder um eines aufgestockt werden sollte, wurde komplettiert. Ex-CA- und UniCredit-Manager Alois Steinbichler zum neuen Treasury- und Auslandschef gewählt.

Immer mehr Kauf-Interessenten

Mit dieser Entscheidung steht nun die gesamte Ressortverteilung fest: Unter Vorstandschef Nowotny zeichnet Stephan Koren fürs Risiko verantwortlich, der deutsche Jochen Bottermann leitet die Ressorts Firmenkunden und Immobiliengeschäft, Herbert Legradi das Privatkundengeschäft und IT. Da läuft gerade das Megaprojekt "Allegro", das die gesamte EDV von Bawag und hineinfusionierter P.S.K. verbinden und auf völlig neue Beine stellen wird.

Erfreuliches berichtete der Bankchef seinen Kontrolloren von der Verkaufsfront: Die Zahl der Kaufinteressenten werde immer größer, laut dem neuen Aufsichtsratschef Siegfried Sellitsch sind es "sehr, sehr, sehr viele". Tatsächlich haben sich einige ausländische Institute gemeldet, auch Versicherer zeigen steigenden Appetit auf die Bank mit dem dichten Vertriebsnetz.

Bangen um Vergleich

Keine ernsthaften Fortschritte dürfte es in den Vergleichsverhandlungen mit den Klägergruppen in den USA geben. Ursprünglich hatte Bawag-Chef Ewald Nowotny für die erste Mai-Woche eine Einigung in der Causa Refco in Aussicht gestellt, die der Bawag Rechtssicherheit geben würde. Doch in den vergangenen Tagen dürften sich die Aussichten verschlechtert haben. "Ständig tauchen neue Gruppen auf, die ebenfalls Geld von der Bawag haben wollen", verlautete aus New Yorker Finanzkreisen. Die Staatsgarantie über 900 Mio. Euro habe die Bawag als Zielscheibe für Klagen noch attraktiver gemacht.

Nun soll sich auch die Investmentgruppe Thomas H. Lee Partners (THL) gemeldet haben, der die Bawag im Juni 2004 ihren Zehn-Prozent-Anteil an Refco für 220 Mio. Dollar verkauft hatte. THL wurde so mit über 40 Prozent zum größten Refco-Aktionär und beansprucht nun einen Teil der Entschädigung, die die Bawag an die Refco-Gläubiger zahlen will, für sich, heißt es. Die Bawag habe gewusst, dass Refco-Chef Phillip Bennett die Bilanzen des Brokerhauses manipuliert habe.

Angeblicher Bilanztrick

Gemunkelt wird in New York von einem Bilanztrick, mit dem die Bawag im Vorjahr Verluste aus den Karibik-Geschäften absorbiert haben soll. Angeblich soll die Bawag einen Vermögenswert an den ÖGB für rund eine Milliarde. Euro – einem deutlich überhöhten Preis – verkauft und dafür von der Gewerkschaft einen Wechsel erhalten haben. Dieser stehe nun auf der Aktiv-Seite in der Bawag-Bilanz, obwohl die Forderung nicht einbringbar sei. Das Gerücht ließ sich zunächst nicht bestätigen. (gra, ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.5.2006)

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