Neue Behandlung gegen Beckenboden-Senkung

25. Juli 2007, 14:30
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Netz übernimmt Tragfunktion für Gebärmutter, Blase und Scheide - Entfernung der Gebärmutter nicht mehr notwendig

Wien - Rund 6.000 Frauen werden jährlich in Österreich wegen einer Beckenboden-Senkung operiert. Oft wird dabei die Gebärmutter entfernt. Die Resultate der verschiedenen Eingriffe waren längst nicht immer zufrieden stellend. Doch eine neue aus Frankreich stammende Operationsmethode soll das ändern. "Wir haben damit bei bisher 80 Patientinnen tolle Ergebnisse erzielt", erklärte Univ.-Prof. Dr. Heinrich Salzer, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Wiener Wilhelminenspital, gegenüber der APA.

Begonnen hat die Angelegenheit mit einer - für "Konkurrenten" - Aufsehen erregenden Kooperation der neun führenden französischen ChirurgInnen auf diesem Gebiet vor sechs Jahren. Salzer: "Die haben sich einfach zusammen gesetzt und festgestellt, dass man eine neue Operationsmethode für Frauen mit solchen Problemen entwickeln sollte."

Rekonstruktion der Tragefunktion

Das taten die französischen ExpertInnen auch - und schufen ein standardisiertes Operationsverfahren, das durch das Einfügen eines implantierbaren Spezialnetzes den schwach gewordenen Beckenboden mit seiner Tragfunktion für Organe wie Gebärmutter, Blase und Scheide wieder buchstäblich rekonstruiert.

Bei dem Prolift-Verfahren werden unter Vollnarkose von der OperateurIn über kleine Kanülen (zwei bis sechs) mehrere feine Schlingen zum Beckenboden geführt. Dann bringt die ChirurgIn das passende Kunststoffnetz über die Scheide ein und fixiert es an den Schlingen. Das Netz wächst schließlich in das Bindegewebe ein. Dadurch wird die Stützfunktion des Beckenbodens wieder komplett hergestellt. Die Operation dauert ein bis zwei Stunden.

Entfernung der Gebärmutter nicht mehr nötig

Ein österreichischer Pionier auf diesem Gebiet war neben Salzer auch Univ.-Prof. Dr. George Ralph, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Landeskrankenhaus Leoben. "Die klassischen Operationsmethoden zur Behebung eines Beckenbodendefekts waren mit einer Entfernung der Gebärmutter verbunden. Bei ausgeprägten Senkungen bzw. Gebärmuttervorfall können mit dem Netz auch bei Erhalt der Gebärmutter gute anatomische Verhältnisse geschaffen werden", erklärte er aus Anlass eines Symposiums zu dem Thema, heute, Freitag, am Wiener Wilhelminenspital. Für die Durchführung solcher Eingriffe ist eine besondere Ausbildung des Chirurgen notwendig, damit die Technik erlernt wird. (APA)

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