Kapsch TrafficCom kauft ein

1. Juni 2006, 16:52
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Der österreichische Mautspezialist hat die argentinische DPS Automation S.A. erworben und plant bis 2010 500 Millionen Euro Umsatz

Wien - Die österreichische Kapsch TrafficCom AG hat den argentinischen Mautspezialisten DPS Automation S.A. erworben. Dieser Schritt sei für Kapsch "eine sinnvolle Erweiterung", gemeinsam könne man jetzt "alle Bereiche eines Mautsystems komplett aus einer Hand liefern", sagte Kapsch TrafficCom-Vorstand Erwin Toplak am Freitag.

Ein Kaufpreis für die Transaktion wurde nicht genannt, Toplak bescheinigt dem 1994 von drei Jungunternehmern gegründeten Unternehmen mit Hauptsitz in Buenos Aires aber "durchaus einen relativ hohen Wert".

DPS entwickelt mit derzeit 70 Mitarbeitern unter anderem Zentralensoftware für Mautsysteme, aber auch Systeme zur Verkehrssteuerung, für Parkplatz- und Zutrittslösungen etwa Ticketsysteme für große Fußballstadien.

"Ideale Ergänzung"

DPS erzielte 2005 einen Gesamtumsatz von 2,2 Millionen Dollar (1,7 Mio. Euro). Bisher ist das Unternehmen mit Projekten in mehreren Ländern Lateinamerikas (Argentinien, Chile, Kolumbien, Uruguay) aktiv, weiters auch in Spanien, Portugal und Andorra. Die Argentinier haben sich auf die Entwicklung von Zentralensoftware für Mautsysteme jeder Größenordnung spezialisiert, ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der manuellen Maut.

Für die auf Straßenverkehrstelematik und Bahnkommunikation spezialisierte Kapsch TrafficCom stelle DPS eine "ideale Ergänzung der eigenen Aktivitäten" dar. Das Unternehmen ist mittlerweile weltweit erfolgreich - in 26 Ländern hat Kapsch bisher 92 Systeme installiert. Seit 2004 ist Kapsch auch in Südamerika aktiv, unter anderem wurde hier ein vollelektronisches Mauteinhebungssystem für die größten Verkehrsverbindungen in Santiago de Chile installiert. Weitere Projekte sind u.a. in Mexiko geplant, auch in Asien ist die TrafficCom stark vertreten, etwa in China, Thailand, Indien oder den Philippinen.

Politische Querschüsse

Kapsch TrafficCom hat vor kurzem den Zuschlag für die Errichtung des tschechischen Lkw-Mautsystems erhalten, der daraus resultierende Auftragswert in den nächsten zehn Jahren beläuft sich auf 640 Millionen Euro. Diverse Querschüsse von politischer Seite sind aus Sicht von Kapsch bei Aufträgen dieser Größenordnung durchaus üblich. "Entscheidend ist, dass der Vertrag rechtskräftig abgeschlossen ist", so Toplak. Die erste Phase könnte voraussichtlich im Frühjahr 2007 in Betrieb gehen. Die Kapsch TrafficCom-Gruppe mit Hauptsitz in Wien beschäftigt weltweit 600 Mitarbeiter.

Erklärtes Ziel ist eine Steigerung des Umsatzes bis 2010 auf rund 500 Mio. Euro. Im Jahr 2004 betrug der Umsatz 125 Millionen Euro, im Vorjahr soll er sich in einer ähnlichen Größenordnung bewegen. Der Großteil des Wachstums - rund 350 Millionen Euro - soll laut Toplak organisch erfolgen, "den Rest werden wir mit Akquisitionen abdecken". Ein möglicher Zielmarkt sei Nordamerika, wo Kapsch noch nicht präsent ist. (APA)

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