Computerpanne machte der Expo zu schaffen

4. Juni 2000, 17:47

"Bild" titelte: "Die erste Millionenpanne"

Hannover - Stellen Sie sich vor, es ist Expo und keiner geht hin - weil es wegen einer Computerpanne keine Vorverkaufskarten gibt. Ganz so schlimm ist es nicht gekommen, doch waren die Veranstalter am ersten Expo-Wochenende gleichwohl bestürzt: Das Buchungssystem, über das der bundesweite Kartenvorverkauf in Reisebüros und die Deutsche Bahn [DBN.CN] abgewickelt wird, war zusammengebrochen. Das hatte zur Folge, dass es Eintrittskarten nur noch über eine Hotline und an den Kassen des Expo-Geländes gab. Nach dem fröhlichen Start mit mehr als 150.000 Gästen blieben die Besucherzahlen dadurch an den Folgetagen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Eine Boulevardzeitung titelte: "Expo 2000: Die erste Millionenpanne".

Am Sonntag bemühten sich die Organisatoren deshalb um Schadensbegrenzung. Denn neben entgangenen Einnahmen droht nun ein Imageschaden. Der wäre besonders zu Anfang der Expo fatal, weil von dem Eindruck in den ersten Tagen abhängt, ob die erste Weltausstellung in Deutschland ein Erfolg wird oder ein Flopp.

Expo-Sprecherin Wibke Bruhns betonte vor der Presse, von einer "Millionenpleite" könne keine Rede sein. Die Computerpanne werde hoffentlich am Montag wieder behoben sein, die Zuschauerzahlen dann wieder steigen. Falls nicht, könnte das Computerproblem allerdings "fatale Folgen" für die Expo haben, räumte Bruhns ein. Die Veranstalter arbeiteten unterdessen mit Hochdruck daran, einen Ersatz für das elektronisch danieder liegende Buchungssystem zu finden. Fieberhaft wurde nach Alternativen gesucht, ohne dass diese bis Sonntagnachmittag genannt werden konnten.

Das Buchungssystem "Start Amadeus" , an das über 8000 Reisebüros und Vorverkaufsstellen der Bahn angeschlossen sind, war am Freitag unter der Last von 40.000 bis 60.000 Anfragen zusammen gebrochen. Die Expo-Eröffnung sei wohl so erfolgreich gewesen, dass sich immer mehr Menschen entschlossen hätten, die Weltausstellung zu besuchen, vermutete der für das diesen Bereich verantwortliche Mitglied der Geschäftsführung, Walter Krombach. "Bild am Sonntag" war auf insgesamt 1,8 Millionen Mark gekommen, die der Expo-Gesellschaft dadurch entgingen, dass sie den sonst fälligen Zuschlag von 20 Mark je Kartenkauf am Eingang wegen der Buchungspanne vorerst nicht kassiert. Bei den 300.000 für das Wochenende erwarteten Besuchern hätten die Organisatoren mit etwa 30 Prozent gerechnet, die ihre Eintrittskarte direkt an den Geländekassen kauften. Bei 90.000 Gästen entgingen der Expo nun je 20 Mark - insgesamt also 1,8 Millionen, rechnete die Zeitung vor.

Bei dem Computerproblem hat es den Anschein, als hätte sich der gelungene Auftakt inzwischen gegen die Expo gewandt. Wenn das gute Medienecho vom Eröffnungstag tatsächlich dafür gesorgt hat, dass das Interesse gestiegen ist und immer mehr Karten geordert werden, entgehen der Weltausstellung potenzielle Besucher. Wegen der Computerpanne musste die Expo zunächst alle Gäste zu dem um 20 Mark günstigeren Vorverkaufspreis auf das Gelände lassen. Eine Tageskarte kostete nur 69 statt der sonst fälligen 89 Mark.

Auch die Parkplatzbuchungen mussten ausgesetzt werden. Damit kommt ein weiteres Problem auf die Expo zu: Sie wollte die Zahl der mit dem Auto anreisenden Gäste so gering wie möglich halten. Die Besucher sollten mit der Bahn kommen. Nun heißt es: "Alle Parkplätze sind offen." Foto: APA/dpa/Wagner Der erhoffte Besucherandrang blieb aber auch deshalb aus, weil wohl viele das lange Wochenende nutzten und verreisten. Nach dem Start mit 150.000 bis 160.000 Gästen kamen am Freitag und Samstag jeweils nur 70.000 nach Hannover, halb so viele wie erwartet worden waren. Am Sonntag wirkte das Expo-Gelände gar spärlich besucht. Die Veranstalter münzten diesen Umstand kurzerhand argumentativ in einen Vorteil um. Durch die geringere Besucherzahl gebe es die zu Anfang beklagten Schlangen vor den Pavillons nicht mehr, betonte Krombach.

Expo-Chefin Birgit Breuel zeigte sich dennoch optimistisch, dass sich die Besucherzahlen in den nächsten Wochen wieder nach oben zeigen. Breuel sprach von dann täglich 150.000 verkauften Karten. Gegen Ende der Weltausstellung sollten es sogar 400.000 täglich sein, um den Besucherschwund vom Beginn ausgleichen zu können.

Eine Zuschauerattraktion war am Sonntag erneut der von spanischen "Castellers" gebaute mehrstöckige Menschenturm. Den sahen sich vor der Freitreppe an der Expo-Plaza mehrere hundert Zuschauer an. Auch das von marokkanischen Reitern aufgeführte Wüstenritual "Fantasia", bei dem alle Reiter zum Schluss ihre Büchsen gleichzeitig abfeuern, war gut besucht. In vielen anderen Pavillons waren allerdings nur wenige Besucher zu sehen. Es bleibt den Veranstaltern die Hoffnung, dass die Zahlen bald anziehen und bis Ende Oktober wie im Expo-Haushalt zu Grunde gelegt 40 Millionen Karten verkauft werden können - sonst würde die erste Weltausstellung in Deutschland finanziell zu einem Reinfall. (Reuters)

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