Venezuela steigt in verstaatlichten Gassektor ein

3. Juli 2006, 13:51
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Profite sollen vor allem Bolivien zugute kommen

La Paz - Die Regierung von Venezuela will in Boliviens verstaatlichtem Öl- und Gassektor investieren. Der staatliche venezolanische Ölkonzern PDVSA werde sich in den Bereichen Erschließung, Produktion und Verkauf engagieren und dabei aus Solidarität mit dem eng befreundeten Bolivien lediglich fünf Prozent der potenziellen Gewinne verlangen, sagte der bolivianische Ölminister Andres Soliz am Donnerstag in La Paz. Der bolivianische Präsident Evo Morales und sein ebenfalls linkspopulistisch orientierter Amtskollege aus Venezuale, Hugo Chávez, die sich beide derzeit beim EU-Lateinamerika-Gipfel in Wien aufhalten, würden am kommenden Donnerstag eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnen.

In den Verhandlungen hatten es die Venezolaner nach Angaben von Soliz als "beschämend" bezeichnet, einen größeren Teil der Profite für sich zu beanspruchen. Der Gewinn solle nach Willen Venezuelas hauptsächlich der bolivianischen Energiegesellschaft YPFB zufließen, sagte der Minister. Morales und Chávez sind enge Verbündete und planen eine intensivere wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder.

Frist von 180 Tagen

Mit der Ankündigung der Verstaatlichung Anfang des Monats hatte Morales den ausländischen Unternehmen eine Frist von 180 Tagen gesetzt, um die Bedingungen für die Ausbeutung der Gasvorkommen im Lande neu auszuhandeln. Der linksgerichtete Staatschef hatte vor seiner Wahl im Dezember versprochen, einen größeren Anteil der Einnahmen am Energiegeschäft der verarmten Bevölkerung zugute kommen zu lassen. Bolivien gehört zu den ärmsten Ländern auf dem südamerikanischen Kontinent; rund 70 Prozent der Bolivianer leben unterhalb der Armutsgrenze. Das Land hat nach Venezuela die zweitgrößten Gasvorkommen in Lateinamerika.

Die Verstaatlichung der bolivianischen Energiebranche betrifft 26 ausländische Unternehmen, darunter globale Großkonzerne wie das US-Unternehmen ExxonMobile, British Gas, die französische Total und die spanische Repsol. Durch die Nationalisierung werden diese Unternehmen gezwungen, das Eigentum an ihren bolivianischen Aktivitäten ebenso an den Staat abzutreten wie eventuelle Rechte auf Ausbeutung der Rohstoffvorkommen. (APA)

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