Der Schwund des Erdmagnetfelds

19. Mai 2006, 18:21
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Analysen jahrhundertealter Schiffslogbücher zufolge ist die Abschwächung seit 1850 stark angestiegen

Washington/Leeds - Nach einer Analyse jahrhundertealter Schiffslogbücher schwindet das Erdmagnetfeld erst seit vergleichsweise kurzer Zeit deutlich. Das Magnetfeld sei mindestens seit 1590 zunächst relativ stabil gewesen, schreiben britische Forscher im US-Fachjournal "Science" (Bd. 312, S. 900, DOI: 10.1126/science.1124855) vom Freitag.

Seit Beginn exakter Messungen im Jahr 1840 ist es dann um rund fünf Prozent pro Jahrhundert schwächer geworden. Würde sich diese Abschwächung fortsetzen, wäre das irdische Magnetfeld, das unter anderem energiereiche kosmische Strahlung abschirmt, in rund zweitausend Jahren verschwunden.

Analysen

David Gubbins und Kollegen von der Universität Leeds (Großbritannien) haben zahlreiche Schifflogbücher aus den Jahren 1590 bis 1840 analysiert. Mit Hilfe eines Rechenmodells konnten sie dabei aus den Navigationsdaten, die meist nur die Magnetfeldrichtung und - neigung gegen den Horizont enthalten, auf die Feldstärke rückschließen. Diese Rechnung ist zwar mit erheblichen Unsicherheiten verbunden, legt aber nahe, dass das Erdmagnetfeld in der untersuchten Zeit nur um rund 2,3 Nanotesla pro Jahr geschwunden ist, während die Abschwächung seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehr als sechs Mal so stark ausfiel.

Diese Erkenntnis veranlasst die Forscher zu der Annahme, dass der gegenwärtig beobachtete Schwund des Erdmagnetfelds kein gleichmäßiger Prozess ist, sondern die Abschwächung mit schwankender Geschwindigkeit verläuft. Aus der Erdgeschichte ist bekannt, dass sich das irdische Magnetfeld in großen Abständen wiederholt abgeschwächt und umgepolt hat. Für Lebewesen bedeutet dies unter anderem eine erhöhte Strahlenbelastung. (APA/dpa)

  • NASA-Archivbild von Südlichtern, Aufnahme der Image-Sonde
    foto: nasa

    NASA-Archivbild von Südlichtern, Aufnahme der Image-Sonde

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