Leopold Museum präsentiert Adolfo Winternitz

11. Mai 2006, 15:15
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Maler, Philosoph, Pädagoge und Exil-Österreicher in Peru aus Anlass seines 100. Geburtstags

Wien - Adolfo Winternitz' Werk in die österreichischen Kunstgeschichte zu integrieren, ist eines der Anliegen der Ausstellung "Adolfo Winternitz. Ein Österreicher in Peru" im Wiener Leopold Museum. Diese erste umfassende Retrospektive des 1993 verstorbenen Malers in Europa steht ganz im Zeichen des EU-Lateinamerika-Gipfels, der derzeit in Wien stattfindet.

Wandel der Haltung zur Kunst

Rund 120 Gemälde aus über 70 Jahren künstlerischen Schaffens dokumentieren die Entwicklung des 1939 nach Peru emigrierten Österreichers. 1906 als Adolf Gustav Winternitz in Wien geboren, begann er bereits im Alter von 15 Jahren sein Studium der Malerei, Bildhauerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste. Während die Arbeiten der ersten Jahre noch von der Neuen Sachlichkeit geprägt waren, kam es nach Zwischenstationen in Florenz und Rom mit der Flucht nach Peru auch zum künstlerischen Bruch. Der zum Katholizismus konvertierte Jude verlieh seinen Bildern fortan kräftige und expressionistische Züge.

In den späten 50er-Jahren widmete sich Winternitz verstärkt religiösen Inhalten, seine Bilder wurden abstrakter. Auch die Titel der Werke sprechen für sich: "Requiem für eine Geisel" (1978), die Serie "Apokalypse" (1983), "Stille und Sehnsucht" (1986) und schließlich der "Oh Ewigkeit"-Zyklus kurz vor seinem Tod 1993. Sein spätes Werk sei zwar "gegenstandslos, aber nicht inhaltslos", wie Kurator Michael Fuhr bei der Pressekonferenz betonte. Einen weiteren Schwerpunkt bildet eine Reihe von Selbstporträts, die den Maler von früher Jugend bis ins hohe Alter zeigen. Winternitz Repertoire reicht weit: Neben Radierungen und Holzschnitten sind auch Aquarelle bis hin zu schweren Ölgemälden im zweiten Untergeschoss des Leopold Museums zu sehen.

Pädagogischer Impetus

Michael Perko, der Enkel des Künstlers, ist ebenfalls nach Österreich gekommen, um an der Konzeption der Ausstellung, die zuvor schon in Lima zu sehen war, mitzuwirken. Er sprach auch von der pädagogischen Bedeutung seines Großvaters. Winternitz gründete bereits 1940 die "Academia de Arte Catolico" in Lima, die heute ein Teil der Katholischen Universität ist. Als Lehrer sei Winternitz einem "völlig anderen Zugang" gefolgt. "Die Philosophie der Kunst war sein zentrales Thema, er unterrichtete nicht Stil und Form, sondern beschäftigte sich mit der Herangehensweise an die künstlerische Arbeit". War Perko anfangs ein Schüler seines berühmten Großvaters, stand er später als Professor unter ihm, als Winternitz der Akademie als Direktor vorstand.

Parallel zur Ausstellung präsentiert die Österreichische Gesellschaft für Exilforschung (ÖGE) am 17. Mai im Rahmen eines Kolloquiums auch das Buch "Vom Weggehen. Zum Exil von Kunst und Wissenschaft". Sandra Wiesinger-Stock, Geschäftsführerin der Gesellschaft, und Erika Weinzierl, Mitherausgeberin und Leiterin des wissenschaftlichen Beirats der ÖGE, betonten die Wichtigkeit ihres Tätigkeitsbereichs. Weinzierl: "Ich appelliere an die öffentlichen Subventionsgeber, die Verantwortung gegenüber der Exilforschung ernst zu nehmen." Ziel sei es, endlich ein Institut zu gründen, an dem "fest angestellte Mitarbeiter" in Ruhe wissenschaftlich arbeiten könnten. "Wir müssen endlich die Wahrnehmung schärfen, für das, was passiert ist, und die Arbeit und Erfolge derer würdigen, die es auch im Exil zu etwas gebracht haben." (APA)

  • Adolfo Winternitz: "Der Maler und seine Familie" (1936; Ausschnitt)
    foto: leopoldmuseum

    Adolfo Winternitz: "Der Maler und seine Familie" (1936; Ausschnitt)

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