Rekordluftverschmutzung über der Arktis

12. Juli 2006, 14:17
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Höchste Werte seit Beginn der Messungen 1991

Bremerhaven/Spitzbergen - Seit 1991 messen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven regelmäßig die Aerosolmenge in der Atmosphäre über Spitzbergen. In der vergangenen Woche beobachteten die Forscher über der deutsch-französischen AWIPEV-Forschungsbasis in Ny-Ålesund die höchste Luftverschmutzung seit Beginn der Messungen. Die Messgeräte zeigten eine gegenüber normalen Bedingungen extrem erhöhte Aerosolbelastung, die sonst an belebten Straßen in Stadtgebieten erreicht wird. Ursache dafür dürfte eine besondere Großwetterlage Anfang Mai gewesen sein. Dadurch gelangten große Mengen der verschmutzten Luft aus Osteuropa in die sonst sehr saubere Arktis.

Die Messungen über Spitzbergen werden zur weiteren Erforschung der Klimawirkung von Aerosolen durchgeführt. Aerosole sind kleine Staub- und Flüssigkeitspartikel in der Atmosphäre. Sie haben zwei Wirkungen: Einerseits absorbieren oder reflektieren sie das Sonnenlicht, andererseits dienen sie als Kondensationskeime für die Wolkenbildung. Beide Eigenschaften machen sie zu wichtigen Einflussfaktoren für die Klimaentwicklung.

"Arctic Haze"

In den vergangenen Jahren wurde jeweils im Frühjahr eine erhöhte Aerosolkonzentration über der Arktis registriert. So stark wie in diesem Jahr ausgeprägt war dieses als "Arctic Haze" bezeichnete Phänomen jedoch noch nie. Die sonst klare Luft über Spitzbergen war deutlich orange-braun gefärbt. Sowohl die deutsche Forschungsgruppe als auch schwedische Kollegen des Instituts für angewandte Umweltwissenschaften (ITM) maßen in Ny-Ålesund bis zu fünfzig Mikrogramm Aerosol pro Kubikmeter Luft. Parallel nahm das Norwegische Institut für Luftverschmutzung (NILU) extrem hohe Konzentrationen von Ozon in Bodennähe wahr. Mit über 160 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter wurde der höchste Wert seit Einrichtung der Forschungsbasis im Jahre 1989 festgestellt.

"Die aktuelle Luftverschmutzung liegt um das Zweieinhalbfache über den Werten vom Frühjahr 2000. Als Folge erwarten wir eine deutlich höhere Erwärmung", erläutert Andreas Herber vom Alfred-Wegener-Institut. "Ob wir hier den Beginn eines Trends sehen, können wir jedoch erst durch die Fortsetzung der begonnenen Messungen erkennen." Die Wissenschaftler untersuchen nun genauer den Ursprung und die chemische Zusammensetzung der Aerosole. (pte)

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