Hutchison zu klein für Preisbrecher

20. Juni 2006, 21:03
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EU-Auflagen für T-Mobile/tele.ring-Deal benachteiligen One und behindern Konsolidierung

Der österreichische Mobilfunkmarkt brauche auch nach der Übernahme von tele.ring durch T-Mobile dringend eine weitere Konsolidierung, weil Netzbetreiber erst ab 2 Mio. Kunden langfristig profitabel geführt werden könnten und vier UMTS-Netze für Österreich zu viel seien, glaubt der Geschäftsführer von Kreutzer Fischer & Partner, Andreas Kreutzer. Die EU-Auflagen für den T-Mobile/tele.ring-Deal würden den Wettbewerb jedoch zu Ungunsten von One verzerren und eine weitere Konsolidierung bremsen.

1,8 Millionen One-KundInnen

One hält zur Zeit inklusive der Diskonttochter "Yess" und Kooperationspartner wie Tele2UTA bei 1,8 Mio. Kunden, Hutchison ("3") bei knapp mehr als 300.000 Kunden. Die von der EU gewünschte Abgabe von rund 80 Prozent der von T-Mobile nicht benötigten tele.ring-Sendeanlagen an Hutchison zu relativ günstigen Konditionen und von nur 20 Prozent an One benachteilige One und behindere eine weitere Marktkonsolidierung, zumal Hutchison mit 300.000 Kunden zu klein sei, um die von der EU gewünschte Rolle als Preisbrecher und "ernsthafter Konkurrent" zu erfüllen, glaubt Kreutzer.

Unwahrscheinlich

Es sei nämlich unwahrscheinlich, dass Hutchison in den kommenden Jahren auf 2 Mio. Kunden komme, bei One bestehe diese Möglichkeit hingegen schon, meint Kreutzer. Außerdem werde Hutchison derzeit einer Umfrage von Fessel/GfK zufolge als teuerster Anbieter wahrgenommen, zumal der UMTS-Betreiber das Image eines High-Tech-Anbieters habe - was nicht in das Bild eines Preisbrechers passe. Zudem stütze die EU mit ihren Auflagen mit Hutchison nicht ein kleines österreichisches Start-up-Unternehmen, sondern einen globalen Konzern.

Auflagen ausgleichen

Die österreichische Rundfunk- und Telekomregulierungsbehörde RTR sollte daher die EU-Auflagen und den damit verzerrten Wettbewerb zumindest teilweise ausgleichen, indem sie die Zusammenschaltungsgebühren für alle Anbieter - auch Hutchison - dramatisch senke, One sollte hingegen höhere Einnahme aus den Zusammenschaltungsgebühren (so genannte IC-Gebühren) behalten dürfen. Dasselbe hatte übrigens One zuletzt gefordert. Trotz der durch die EU-Auflagen bewirkten "Konsolidierungs-Erschwernis" geht Kreutzer, Fischer & Partner davon aus, dass in spätestens zwei Jahren nur noch drei Mobilfunknetze in Österreich in Betrieb sein werden.

Unabhängige Studie

Die vorliegende Studie sei eine unabhängige Studie und von niemandem in Auftrag gegeben, betonte Kreutzer heute. Auch die bei der Pressekonferenz anwesende One-Sprecherin Petra Jakob distanzierte sich heute von der Studie. Die Studie erwecke angesichts der Forderung nach höheren IC-Gebühren für One stark den Eindruck einer von One bezahlten Studie, meinte hingegen der ebenfalls anwesende Hutchison-Regulierungsexperte Bernhard Wiesinger.

T-Mobile wird im Zuge der Übernahme von tele.ring etwa 1.800 Sendestationen an Hutchison abgeben. Wie viele Stationen One genau bekommt, wird derzeit noch verhandelt. Zuletzt war von 700 Stationen die Rede. Kreutzer Fischer & Partner geht dabei von einem Kaufpreis von etwa 75.000 Euro pro Sendestation ohne Equipment aus, laut Hutchison liegt der Preis aber deutlich darunter. Zudem muss T-Mobile je ein UMTS-Frequenzpaket an Hutchison und One abgeben.(APA)

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