Rhabarber

26. Juni 2006, 15:42
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Sauer aber gut sind die Stängel - die Wurzeln wirken medizinisch gesehen blutstillend, adstringierend und laxierend

Von Mai bis Juni ist beim Rhababer (aus der Familie der Knöterichgewächse) Erntezeit. Bei kräftigen Pflanzen wird im Herbst nochmals geerntet.

Bei älteren Pflanzen kann der Oxalsäuregehalt hoch sein, der bei einer sehr hohen Dosis giftig ist. Daher sollte man eher die inneren, jungen Stängel nehmen. Sie werden vor der Zubereitung gewaschen, Schale und Fäden werden mit einem Messer abgezogen. Die Wurzeln werden in der Pflanzenheilkunde als Geschälter Wurzelstock (Rhei radix) verwendet.

Wirkungen

adstringierend (lat. adstringere, zusammenziehen) laxierend (abführend)

Indikationen

Entzündungen im Mund und Rachen (Erfahrungsmedizin): In niedrigen Dosierungen als Stomachikum, bei Entzündungen des Zahnfleisches und der Mundschleimhäute.

Obstipation (Verstopfung): Die Wirkung der Droge setzt 6-8 Stunden nach Einnahme ein. Ohne ärztliche Anweisung soll die Anwendung nicht länger als 1-2 Wochen fortgesetzt werden. Zubereitungen aus Rhabarberwurzeln sollten nur dann eingesetzt werden, wenn durch eine Ernährungsumstellung oder mit Quellmitteln kein therapeutischer Effekt zu erzielen ist.

Inhaltsstoffe

Hydroxyanthracenderivate: 3-12 Prozent, davon 60-80 Prozent Anthrachinonglykoside (Grundkörper Aloeemodin, Chrysophanol, Emodin, Physcion und Rhein), 10-25 Prozent Dianthronglykoside.

Gerbstoffe: Catechingerbstoffe und Gallotannine

Therapeutisch relevante Wirkungen

Laxierende Wirkung: 1,8-Dihydroxyanthracenderivate wirken motilitätssteigernd, antiresorptiv und sekretionssteigernd auf das Kolon. Sie führen zu einer Hemmung der stationären und Stimulierung der propulsiven Kontraktionen, was eine beschleunigte Darmpassage bei gleichzeitig verminderter Flüssigkeitsresorption bewirkt. Adstringierende Wirkung: mit Gerbstoffgehalt erklärbar.

Weitere Wirkungen

Blutstillende Wirkung: Innere Blutungen bei Magen- und Duodenalgeschwüren konnten mit Rhabarberextrakten gestoppt werden. Antiphlogistische Wirkung: für einzelne Inhaltsstoffe experimentell bestätigt.

Unerwünschte Wirkungen

Bei Überdosierung kann es zu Wasser- und Elektrolytverlusten mit entsprechenden Folgen auf die Herz-, Kreislauf- und Nierenfunktion kommen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen Laxantieneinnahme und dem Auftreten von kolorektalen Karzinomen konnte bislang nicht bewiesen werden. Wegen des Fehlens ausreichender reproduktionstoxikologischer Untersuchungen sollen Zubereitungen aus Rhabarberwurzel in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden. Bei chronischem Gebrauch sind Kaliumverluste möglich.

Empfohlene Dosierung

Als Laxans: Tagesdosis entsprechend 20-30 mg Hydroxyanthracenderivate. Als Stomachikum: Tagesdosis entsprechend 3-9 mg Hydroxyanthracenderivate. Berechnungsgrundlage: als Laxans 25 mg Hydroxyanthracenderivate (= 1 g Droge). (red)

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Phytokodex

von Univ.-Prof. Dr. Reinhard Länger, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Kubelka

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    foto: institut für pharmakognosie, universität wien
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