Die größten Mineralwasser-Reserven Europas liegen im Nord- Burgenland

3. Juni 2000, 16:54
Grafik: pteNeusiedl am See - In Österreich finden sich die größten Mineralwässervorkommen nicht in den Alpen, sondern unter dem Neusiedler See im nördlichen Burgenland. Dieser Naturschatz unter einer Fläche von 250 Quadratkilometern wurde wohl schon 1955 entdeckt und beinhaltet zudem das größte Mineralwasservorkommen Europas, ist aber bisher noch weitgehend kommerziell unerschlossen.

Zwar kommt der österreichische Marktleader Römerquelle aus dem nördlichsten Zipfel des Landes in Edelstal, die anderen Abfüller liegen aber im mittleren und südlichen Burgenland.
Die Lager an den beiden Bruchlinien in der Nationalparkregion wurden bisher nur an wenigen Stellen angezapft. Im Ortszentrum der Nationalparkgemeinde Illmitz liegt die wohl bekannteste, schon 1931 auf 188,5 m abgeteufte "Bartholomäusquelle". Nur ein paar Kilometer davon entfernt, im Sandeck, fließt seit etlichen Jahrzehnten kaum genutzt Mineralwasser: die Schwefelquelle "Gastrina". Und auf dem Gelände der Bezirkshauptmannschaft Neusiedl am See wurde auf 138 Meter Tiefe ein kohlendioxidreicher Säuerling angebohrt.

Wo Mineralquellen sind, finden sich auch tektonische Bruchlinien, wobei das Gebiet um den Neusiedler See eine besonders lebhafte Bruchtektonik aufweist. Gleich vier Brüche beherrschen den pannonischen Raum:
- vor 15 Millionen Jahren entstand der Mörbischer Bruch (zwischen Mörbisch und Rust; mit einer Sprunghöhe von 800 Metern, die die vertikale Verschiebung an der Bruchfläche anzeigt);
- der Oggauer Randbruch;
- der Neusiedler Bruch von Neudorf über Neusiedl bis in den See (hier beträgt die Sprunghöhe 200 Meter);
- der Mönchhofer Fischerhüttenbruch von Mönchhof über Illmitz nach Ungarn (100 Meter Sprunghöhe.

Zwei "Stockwerke"

Eigentlich sind es zwei getrennte Stockwerke, in denen im Raum Neusiedler See Mineralwässer vorkommen. Das obere reicht in eine Tiefe von etwa 150 Metern und liefert hochkonzentrierte Natrium- und Magnesiumsulfatwässer. Deren Salzgehalt kann mehr als 37 Gramm pro Liter erreichen. Die Heilwirkung solcher Mineralwässer ist bei Leber und Gallenleiden, aber auch zum Beispiel bei Durchfallerkrankungen nachgewiesen.

Im selben Stockwerk liegt auch der zweite Grundwasserhorizont (30 - 100 Meter Tiefe), der häufig gespannte Wässer mit Verweilzeiten von mehr als 30.000 Jahren enthält. Genutzt werden diese Wässer vor allem von den zahlreichen Hausbrunnen.

In den obersten Schichten des unteren Mineralwasserstockes (bis 800 bzw. bis 1200 Meter) wurden fluorreiche Kochsalzlösungen angetroffen, die zur Regulation der Magensäure geeignet wären. Es handelt sich dabei um ehemalige Meerwässer aus der Jungtertiär (25 bis 2 Mio. Jahre), eingeschlossen in die Poren der Schichten. Die wasserführenden Schichten stehen unter artesischem Druck. Nach und nach steigen die Mineralwässer an Klüften auf und mischen sich dem oberflächennahen, strömenden Grundwasser.

Mineralwasserquellen in der Region

Das Neusiedler See-Gebiet weist auf engstem Raum äußerst unterschiedliche Mineralwässertypen - zum Teil Spitzenqualitäten, die keinen internationalen Vergleich scheuen müssen - auf.

Brunnenquelle No. 36, Illmitz: Kaliquelle (817 mg/kg Kalium, 342 mg/kg Natrium), in dieser Zusammensetzung eine europaweite Seltenheit.

Sulfina, Bohrung Illmitz I (1961): Östlich des Seedamms in der Ried Hölle, Tiefe 9,5 bis 12 Meter. Das Alter des Wassers beträgt zwischen 5.300 und 17.350 Jahren. Es wurde in den 60er Jahren als Versand-Heilquelle gefüllt, zur Zeit gibt es keine Nutzung. Österreichs drittreichste Schwefelquelle, stärkste alkalische Schwefelquelle Europas (17 mg/kg Hydrosulfid). Heilende Wirkung: Gelenksentzündungen, Allergien, Hautkrankheiten, Gastritis. Ergiebigkeit 0,22 l/sec.

Gastrina, Bohrung Illmitz III (1961): Artesischer Brunnen am Sandeck mit hochalkalischen Natriumhydrogenkarbonatwasser aus quartären Schichten. Heilende Wirkung: Magenentzündungen. Der Überfluß aus der Quelle rinnt in den Neusiedler See.

St. Bartholomäus Quelle Illmitz: mit wunderschön restaurierter Trinkhalle am Hauptplatz. Sie wurde 1930 aufgrund der unhygienischen Trinkwasserverhältnisse (Viehzucht, hoher Grundwasserspiegel) von der Gemeinde errichtet. Tiefe 178,5 bis 188,5 Meter. Die tägliche Wasserentnahme liegt zwischen 800 bis 1500 Liter. Dieser Natrium-Hydrogenkarbonat-Trinksäuerling wurde 1996 von der Burgenländischen Landesregierung zur Heilquelle erklärt. Heilende Wirkung: Magen-Darm-Krankheiten, Harnwegserkrankungen.

Mörbisch I - Glaubersalzquelle: Eisenhaltiges Natrium- Chlorid-Sulfat-Wasser vom Typ Franzensbad, Karlsbad und Marienbad, geeignet für den Kurbetrieb.

Mörbisch II - Kochsalzquelle: Natrium-Chlorid-Hydrokarbonat-Wasser vom Typ Montecatini und Baden-Baden.

Oggau, Purbach - Bittersalzquelle: Magnesium-Natrium-Sulfat-Chlorid-Wasser von 25g/l, besitzt in Mitteleuropa Seltenheitswert

Podersdorf I - Schwefelwasser: Natrium-Hydrogenkarbonat-Sulfat-Chlorid-Wasser.

(pte/www.neusiedlersee.com)

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