Kohlebaron mit grün-sozialer Ader

27. Juni 2006, 09:06
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"Havels Hofbankier" Zdenek Bakala

Unter Tschechiens Milliardären ist er zwar mit einem geschätzten Vermögen von 10 Milliarden Kronen (knapp 350 Millionen Euro) "nur" die Nummer drei. Dennoch gehört er zu den auffälligsten Erscheinungen der tschechischen Investoren- und Finanzwelt: der 45jährige "Kohlebaron" Zdenek Bakala. Bakala gehören heute die größten tschechischen Steinkohlegruben in Nordmähren. Seine Investmentgruppe RPG ist damit aufgrund ihrer Erträge von rund 70 Mrd. Kronen (2,5 Mrd. Euro) schon heute das fünftgrößte Unternehmen Tschechiens. Ziel des Milliardärs ist es, die RPG zu einer führenden Industrieholding im östlichen Mitteleuropa auszubauen.

Bakalas Lebensgeschichte klingt wie aus einem billigen Roman. Mit 19 Jahren ist er aus der mährischen Provinz ausgebrochen und mit 50 US-Dollar in der Tasche in die USA ausgewandert. Dort verdiente er sich als Kellner das Geld für das Studium, arbeitete später im Bankensektor. Nach der Wende kehrte er als Angestellter eines amerikanischen Investmentfonds zurück und machte sich bald selbstständig.

Mit der Investmentgruppe Patria Finance gründete Bakala 1994 die größte private Finanzgruppe in Tschechien, mit der er auch seine ersten großen Unternehmensbeteiligungen landete. In dieser Zeit wurde Bakala in den Kreis der Vertrauten des damaligen Präsidenten Václav Havel aufgenommen, wobei tschechische Medien ihn damals sogar als "Havels Hofbankier" bezeichneten.

Nach sechs Jahren an der Spitze der Patria Finance verkaufte Bakala die Firma und zog sich für ein paar Jahre völlig aus dem Geschäft zurück. Umso größer war dann im vergangenen Jahr sein Comeback. Zusammen mit einigen amerikanischen und ungarischen Finanzinvestoren gründete Bakala die auf Zypern registrierte Finanzgruppe RPG-Group und kaufte vom Staat die größten Steinkohleschächte in Ostrava (Mährisch-Ostrau). Seither lässt sich Bakala gerne als Kohlebaron bezeichnen. Damit kokettiert er bewusst mit dem Vorurteil, dass Eigentümer von Kohleschächten Ausbeuter par excellence seien.

Umso größer war die Überraschung der Belegschaft wie auch der Gewerkschaften, als Bakala als neuer Besitzer nicht nur einer überdurchschnittlichen Lohnerhöhung zustimmte, sondern den Bergleuten auch alle bisherigen Sonderleistungen etwa im Sozialbereich beließ. In dieses Bild passt auch ein anderes Vorhaben Bakalas, nämlich massiv in die Herstellung von Ökostrom einzusteigen. Ein erstes Gas- und Biomassekraftwerk wurde bereits im Vorjahr in Ungarn gekauft, nun sollen weitere folgen. (Rudolf Schuster, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2006)

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