Ungarns Airports beflügeln Infrastruktur -Ausbau

27. Juni 2006, 09:06
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Mag es in Ungarn wegen der versäumten Reformen der vergangenen acht Jahre zu keinen konjunkturellen Hochsprüngen gekommen sein - eines ist sicher: Die stärkste Aufwärts- entwicklung verzeichnete der Flugverkehr

Der kürzlich an die britische BAA verkaufte Budapester internationale Flughafen Ferihegy platzt aus allen Nähten. Acht Millionen Fluggäste waren es 2005 - um 1,6 Millionen mehr als im Jahr davor. Bis 2011 soll die Zahl nach dem Willen der neuen Besitzer auf 12 Millionen gesteigert werden. Den Aufschwung brachten zunächst kurz nach dem EU-Beitritt Billigfluggesellschaften wie WizzAir, EasyJet und SkyEurope, die die ungarische Metropole entdeckten. Nunmehr fliegen insgesamt 48 Airlines Ferihegy an.

Mit dem Aufschwung verstärkte sich die Notwendigkeit, die Kapazitäten zu erweitern. Durch Ausbau der Landebahnen sollen die Starts und Landungen auf 96 Flugzeuge pro Stunde verdoppelt werden. Schon im vorigen Jahr hatte die ungarische Flugüberwachung die Einflugschneisen neu aufgeteilt, um das Gedränge am Himmel unter Kontrolle zu bekommen. Nicht zuletzt muss endlich für eine vernünftige Anbindung an die City gesorgt werden.

Verkürzte Anreise

Derzeit brauchen Reisende mit Metro und Bus mehr als eine Stunde vom Terminal bis in die Stadtmitte. Geplant ist daher bis zu diesem Herbst eine Zugverbindung zum Terminal 1, die den Weg auf eine Viertelstunde verkürzt. Terminal 1 war bisher nur für den Frachtverkehr bestimmt - demnächst sollen dort nach Ende der Renovierungsarbeiten sechs weitere Billigflieger mit Passagieren landen.

Angesichts der Notwendigkeit, Straßen und Bahnen auszubauen - nicht nur nach Ferihegy, sondern im ganzen Land -, klingt es nachvollziehbar, dass der gerade wiedergewählte Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány darauf besteht, Geld für die Infrastruktur auszugeben. Er hat damit immer wieder jenen widersprochen, die im Namen der EU und der führenden internationalen Finanzhäuser angesichts des ausufernden Staatsdefizits vor weiteren Ausgaben warnten. Wie Gyurcsány diesen Balanceakt bewältigen will, wird er erst Mitte Juni bekannt geben, wenn seine neue alte sozialliberale Regierung ihr Amt antritt. Bis September muss er in Brüssel einen Plan darüber vorlegen, wie er vom zuletzt 6,1-prozentigen Defizit bis 2008 auf 3,0 Prozent kommen will.

Wie viele Hoffnungen die Märkte mit der Budgetsanierung verbinden, zeigte sich neulich, als das Gerücht aufkam, Gyurcsány wolle 350 Milliarden Forint (1,3 Mrd. Euro) einsparen. Der Forint erstarkte im Euro-Wechselkurs um etwa zwei Einheiten.

Infrastruktur ist indessen auf jeden Fall das A und O für Ungarns Zukunft. Zuletzt ist das südwestungarische Pécs (Fünfkirchen) darauf gekommen. Die Universitätsstadt, Standort der traditionsreichen Zsolnay-Porzellanwerke und Produktionsstätte des finnischen Handyherstellers Elcoteq, baute ihren Kleinflughafen aus. Diesen fliegt seit Kurzem als erste westliche Airline die AUA an, viermal pro Woche. "Pécs ist ein wichtiges Industriezentrum", sagt AUA-Repräsentant Josef E. Burger.

Nun muss nur noch die Zufahrstraße zum Terminal ausgebaut werden. Der erste Kilometer war im März fertig. Er wurde nach Papst Johannes Paul II. benannt. (Kathrin Lauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2006)

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    Seit kurzem im Besitz der britischen BAA: Bidapests internationaler Flughafen Ferihegy.

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