Rumänische Rippen für den Super-Airbus

27. Juni 2006, 09:06
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Der Bukarester Flugzeughersteller Romaero setzt nach einer wechselvollen Geschichte zum Abheben an

Kaum ein Passagier des neuen Giganten Airbus A380 wird ahnen, dass Teile vom Rumpf des doppelstöckigen Fliegers aus dem ganz neuen Europa stammen - nämlich von Romaero in Bukarest. Das mehr als 80 Jahre alte Unternehmen im bald zur EU gehörenden Rumänien hat gerade mit dem schwedischen Hersteller Saab einen Zehnjahresvertrag zur Herstellung von Flugzeugteilen für den neuen Airbus geschlossen. Saab wiederum ist einer der großen Zulieferer für das gerade angelaufene Projekt A380.

Lange hatte es so ausgesehen, als wäre das Schicksal der zu 73 Prozent in Staatsbesitz befindlichen Romaero als chronischer Schuldenproduzent besiegelt. Erst vor zwei Jahren schrieb die Firma, die mehr als tausend Angestellte beschäftigt, mit kümmerlichen 50.000 US-Dollar (39.000 Euro) erstmals Profit. 2005 waren es 100.000 Dollar, immerhin doppelt so viel. Jetzt, mit dem Einstieg in das Airbus-Projekt, könnte Romaero abheben. Die Regierung will in wenigen Wochen die Ausschreibung zur Privatisierung veröffentlichen. Saab soll bereits Interesse bekundet haben.

Die Geschichte von Romaero begann 1920, im damaligen Königreich Rumänien, das unter der Herrschaft des Hohenzollern-Königs Ferdinand gerade wirtschaftlich erwachte. In den Hallen neben dem Bukarester Flughafen Baneasa wurden Flieger für Passagiere und für den militärischen Bedarf gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es erst einmal bergab: In den 50er- und frühen 60er-Jahren wurden hier zunächst Flugzeuge nur repariert, und zwar die sowjetischen Iljuschins und Antonows aus der rumänischen Flotte.

Westliche Technologie

Dann begann Romaero mit der Produktion des jugoslawischen Flugzeugs IAR. Endlich, 1968, mit dem Ende des Moskau-freundlichen Kurses der rumänischen Kommunisten, zog westliche Technologie bei Romaero ein. Der darniederliegende Flugzeugbauer schloss einen Vertrag mit dem britischen Riesen Britten Norman und lieferte Teile für das berühmte kleine "Buschflugzeug" Islander. 1979 folgte ein weiterer Vertrag mit der British Aerospace, und nach der Wende kamen nach und nach neue gewichtige Kunden hinzu, unter anderen Boeing, BAE Systems und Bombardier.

Doch all dies reichte nicht für Höhenflüge bei dem heruntergewirtschafteten Unternehmen. Jetzt also soll Romaero die "Rippen" des neuen Airbus bauen, wie es Generaldirektor Dan Ioan Vulcan ausdrückte. Das heißt: Metallrahmen für den Rumpf. Saab schwebt mit Romaero überdies ein Doppelgeschäft vor. Der schwedische Konzern will der rumänischen Armee seine neuen Gripen-Kampfjets verkaufen und den Erlös wieder in den rumänischen Flugzeugbau investieren. (Kathrin Lauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2006)

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