Klotzen statt Kleckern

30. Juli 2006, 19:37
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Mit einem Ohr sind Regierung und Opposition sicher mit beim Einfädeln des Deals am Verhandlungstisch gesessen - Von Günther Strobl

Es passiert nicht alle Tage, dass in Österreich eine Unternehmensfusion bekannt gegeben wird, insbesondere nicht im Energiebereich, in dem der staatliche Einfluss noch immer gewaltig ist. Umso erstaunlicher ist, über wie viele Schatten jetzt verschiedenste Leute offenbar zu springen bereit sind: aus OMV und Verbund, die zu 31,5 respektive 51 Prozent der Republik gehören, soll ein neues Unternehmen mit einem Staatsanteil, der auf etwas mehr als 30 Prozent absinken wird, entstehen - für österreichische Verhältnisse eine mittlere Revolution.

So stark jetzt auch beteuert wird, dass die Politik beim Einfädeln des Deals keine Rolle gespielt habe, mit einem Ohr sind Regierung und Opposition sicher mit am Verhandlungstisch gesessen. Anders ist eine Fusion dieser Größenordnung gar nicht zu "derheben". Schattenspringer ist zum einen SP-Chef Alfred Gusenbauer. Die Aufgabe der staatlichen Mehrheit beim Verbund galt in der roten Reichshälfte bisher als Tabu. Da hat offenbar der "rote" OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer erfolgreich Überzeugungsarbeit geleistet.

Über den Schatten gesprungen ist offensichtlich auch VP-Chef Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Kein Geringerer als er selbst hat anno dazumal den so gut wie fertig ausverhandelten Vertrag zwischen Verbund und der deutschen Eon gekippt und eine österreichische Stromlösung (Ösl) gefordert. Weil dieses von ihm gehätschelte Kind aber nicht und nicht groß werden wollte, geht er nun in die Vollen und unterstützt gleich etwas ganz Großes: den Zusammenschluss von OMV und Verbund. Damit kann er vor der Wahl im Herbst das Gezerre um die Ösl vergessen machen. Und Hans Haider, der "schwarze" Verbund-Chef kann auch zufrieden sein. Sein Vertrag, der im kommenden Mai ausgelaufen wäre, wird um einige Monate verlängert. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2006)

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