Versorger in Europa im Übernahmefieber

28. Juni 2006, 14:18
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Öffnung der Energiemärkte zwingt Unternehmen verstärkt in Zusammenschlüsse

Wien – Das Übernahmefieber im europäischen Versorgungssektor steckt mehr und mehr Unternehmen an. Nicht zuletzt wegen der im Februar publik gewordenen Eon-Pläne in Spanien dürfte das heurige Jahr ein neues Rekordvolumen an Übernahmen bringen.

Der deutsche Energiekonzern will die spanische Endesa zu hundert Prozent übernehmen. Der in Essen beheimatete größte Stromkonzern Europas, der auch immer mehr in den Gasbereich drängt, hat 29,1 Milliarden Euro für den spanischen Konkurrenten geboten, ist zunächst aber abgeblitzt. Die spanische Regierung hatte zuvor dem spanischen Gasanbieter Gas Natural den Kauf von Endesa zugesagt, der aber mit 22,5 Milliarden Euro deutlich hinter dem Eon-Angebot liegt.

Das Übernahmefieber ist bereits im Vorjahr voll ausgebrochen. Von Jänner bis Dezember haben sich Übernahmen mit Beteiligung europäischer Versorger auf ein Volumen von 149 Mrd. Dollar summiert, verglichen mit 64,5 Mrd. Dollar im gesamten Jahr 2004, hat eine Erhebung der Agentur Bloomberg ergeben. Damit sind die Versorger bei Übernahmen die aktivste Branche, noch vor dem fusionsfreudigen Bankensektor.

Bis 2007 sollen die europäischen Energie- und Strommärkte vollständig geöffnet werden. Um besser auf dem Markt bestehen zu können, sind die Versorgungsunternehmen auf Expansionskurs gegangen. Die beiden größten deutschen Versorger, RWE und Eon, haben in den vergangenen sechs Jahren mehr als 50 Mrd. Euro investiert, um ihre Abhängigkeit vom Heimatmarkt zu verringern.

Unternehmen, die nach dem Verkauf von Sparten außerhalb des Kerngeschäfts sehr liquide sind, sind potenzielle Käufer. Dazu zählen neben Eon auch RWE und die italienische Enel. Diese wollte sich Suez unter den Nagel reißen, wurde aber von Gas de France ausgebootet. Beide französischen Unternehmen sollen nun mit Applaus der Regierung in Paris fusionieren. Enel will nun verstärkt in Osteuropa wachsen.

Übernahmeziele

RWE sucht nach Angaben von Vorstandschef Harry Roels nach Zukaufmöglichkeiten, die bestehende Bereiche in Deutschland, Großbritannien, Ostmitteleuropa und den USA ergänzen. Im vergangenen August bekundete Roels Interesse an niederländischen Unternehmen, wenn sie auf den Markt kommen.

Zu möglichen Übernahmezielen in Europa gehören Spaniens drittgrößter Stromversorger Union Fenosa und der größte britische Energiekonzern Centrica. Antonio Basagoiti, der Chairman von Union Fenosa, hat erklärt, er sei für Fusionsverhandlungen offen.

Zu Übernahmezielen dürften auch die beiden größten niederländischen Versorger Essen NV und Nuon NV werden. In Befolgung einer EU- Richtlinie gibt es auch in den Niederlanden ein neues Gesetz, das Energieunternehmen zwingt, die Stromnetzsparten von den Versorgungssparten zu trennen. Der niederländische Wirtschaftsminister Laurens Jan Brinkhorst hatte bereits im Vorjahr gemeint, beide nicht börsennotierten Versorger sollten eine Fusion erwägen, um Gebote von ausländischen Konkurrenten abzuwehren. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2006)

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