Immer mehr Verdachtsmomente

1. Juni 2006, 14:38
21 Postings

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen WM-Schiedsrichter De Santis - Mutmaßliche Spielmanipulationen - Transfermarkt von Juve-Manager kontrolliert?

Rom - Italiens Fußball-Skandal berührut nun auch direkt die Weltmeisterschaft. Die Staatsanwaltschaft Neapel ermittelt gegen WM-Referee Massimo De Santis wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Dem 44-Jährigen wird gemeinsam mit der Gruppe um Juventus Turins Manager Luciano Moggi Sportbetrug vorgeworfen. Sein Einsatz in Deutschland erscheint fraglich. Italiens Fußball werde von einem "Erdbeben" erschüttert, schrieb die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch.

Der Skandal um mutmaßliche Spiel-Manipulationen in der Saison 2004/2005 weitet sich immer weiter aus. Die Staatsanwaltschaften in Rom und Neapel ermitteln auch gegen den früheren Schiedsrichter-Koordinator Pierluigi Pairetto, Juventus-Turin-Manager Luciano Moggi sowie gegen die Spielervermittlung GEA im Besitz von Moggis Sohn Alessandro. "Und das ist nur die Spitze des Eisbergs", meint die "Gazzetta". Die 2004 von der Staatsanwaltschaft Turin über Monate abgehörten Telefone von Moggi und seinen mutmaßlichen Komplizen bringen fast täglich neu Hinweise ans Licht.

Seit Dienstag verhört das Ermittlungsbüro des italienischen Fußballverbands (FIGC) in Rom Schiedsrichter, Fußballer und Funktionäre.

Spieler unter Druck gesetzt?

Sportjustiz und Staatsanwälte gehen vor allem der Frage nach, ob Juve-Manager Moggi mit Hilfe von korrupten Schiedsrichtern tatsächlich Spiele in der Serie A manipuliert hat. Gemeinsam mit der Spielervermittlung seines Sohnes soll er zudem den Transfermarkt kontrolliert haben. Fußballer seien zu einem Wechsel zur GEA genötigt worden. Dies sagte auch Spieleragent Gianni Allegrini aus. Sein Mandant Davide Baiocco sei während der Verhandlungen über einen Wechsel von Perugia nach Turin 2002 gezwungen worden, einen Agentenvertrag mit der GEA abzuschließen.

Ein von der "Gazzetta" zitiertes Schreiben von GEA-Gesellschafter Franco Zavaglia an seine Mitarbeiter scheint Vorwürfe dieser Art zu bestätigen. Darin mahnt er, "Spielern anders als in der Vergangenheit nicht mehr zu drohen" und bei Verhandlungen "nicht mehr durch die Erwähnung von Luciano Moggi Druck auf Spieler auszuüben".

Die Moggis schweigen genauso wie die übrigen Verdächtigen. Schiedsrichter-Chef Tullio Lanese dagegen verteidigte De Santis und die übrigen in den Skandal hineingezogenen Kollegen. "Das ist ein Massaker", klagte Lanese, der die "Glaubwürdigkeit" seiner Kollegen völlig zu Unrecht geschädigt sieht. Der Weltfußballverband (FIFA) blickt so kurz vor der WM mit Sorge nach Italien. FIFA-Präsident Sepp Blatter informierte sich in einem Telefonat mit Carraro über den Stand der Ermittlungen. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auch gegen den renommierten Referee Massimo de Santis wird nun ermittelt.

Share if you care.