Idealisierte Mutterschaft

11. Mai 2006, 07:00
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Über den "Mothering Day" hin zu nationalistischen Zügen: Die Geschichte des Muttertags reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück

Bereits im 13. Jahrhundert soll Heinrich III. von England den "Mothering Day" ausgerufen haben, um der "Mutter Kirche" zu danken. Das Volk deutete ihn allerdings um und ließ es zur Tradition werden, dass die erwachsenen Kinder am "Mothering Day" ihre Mutter besuchten und mit einem Simmel Cake (Semmelbrösel-Kuchen) ehrten.

1872 wurde der "Mother's Day" von der amerikanischen Frauenrechtlerin Julia Ward Howe in Boston ausgerufen. Sie wollte mit diesem Tag die Mütter ehren, deren Söhne und Ehemänner im Deutsch-Französischen Krieg 1871 ums Leben gekommen waren. Nach ihrem Tod im Jahre 1905 nahm ihre Tochter Anna Jarvis den Traum ihrer verstorbenen Mutter für einen institutionalisierten Feiertag wieder auf. Sie sandte zahlreiche Briefe an die Regierung, so auch an Präsident Wilson. 1914 unterzeichnete dieser eine Resolution des amerikanischen Kongresses, in dem der zweite Sonntag im Mai als nationaler Ehrentag für Mütter und somit zum offiziellen Feiertag erklärt wurde.

In Deutschland gehörte der Verband Deutscher BlumengeschäftsinhaberInnen in den 20er-Jahren zu den VerfechterInnen des Muttertags. Mit der Idealisierung der Mutterschaft als dem "natürlichen" Beruf der Frau wollten gesellschaftliche Gruppen aber auch der Berufstätigkeit von Frauen und Emanzipationsbestrebungen entgegentreten. "Schon vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten sind in Deutschland deutlich nationalistische Züge im Muttertags-Schrifttum auszumachen", schreibt der Brockhaus.

1923 wurde der Muttertag in Deutschland erstmals offiziell gefeiert und 1933 von Adolf Hitler als Festtag auf den zweiten Maisonntag gelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich diese Brauch allmählich in ganz Europa durch. (red)

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    Ann Jarvis
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