Wachsender Zuspruch für Fairtrade

31. Mai 2006, 12:32
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Während der heimische Lebensmittelhandel stagniert, steigt die Nachfrage nach fair gehandelten Produkten wie Bananen, Kaffee oder Schokolade unaufhaltsam

Wien - Während der heimische Lebensmittelhandel in einer allgemeinen Stagnation steckt, steigt die Nachfrage nach fair gehandelten Produkten wie Bananen, Kaffee oder Schokolade unaufhaltsam weiter. So ist der Verkauf von Fairtrade-Produkten im Jahr 2005 in Österreich um 62 Prozent auf 25,6 Mio. Euro gestiegen. "Fairtrade macht Fairness käuflich", zeigte sich der Geschäftsführer von Fairtrade Österreich, Georg Gruber, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz erfreut.

Der Trend zu Produkten mit dem Fairtrade-Gütesiegel sei europaweit festzustellen, hieß es. Die Verkäufe von Fairtrade-Produkten sind in den vergangenen beiden Jahren um 49 Prozent gewachsen und liegen bei einem europaweiten Gesamtumsatz von 616 Mio. Euro. Auch die USA seien auf den Fairtrade-Zug aufgesprungen und verzeichneten im Vorjahr die vergleichsweise größte Ländersteigerung. Gruber geht davon aus, dass in Österreich 2006 erneut ein Umsatzplus von 40 Prozent auf 35 Mio. Euro erzielt werden könne.

Bewusstseinsbildung

Einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leiste die Verwendung von Fairtrade-Produkten bei der öffentlichen Beschafftung, sagte Gruber. So würden beispielsweise im Außen-, Finanz- und Landwirtschaftsministerium sowie in der Präsidentschaftskanzlei und in der NÖ Landesregierung fair gehandelte Produkte verwendet. Auch in Unternehmen wie der RLB NÖ-Wien oder der Mobilkom sowie zunehmen auch in Schulen und Universitäten würden Fairtrade-Produkte eingesetzt. Auch bei der EU-Ratspräsidentschaft und dem bevorstehenden Lateinamerika-Gipfel gebe es Fairtrade-Produkte.

Durch den bewussten Einkauf der Konsumenten werde kleinen Produzenten in Entwicklungsländern eine Chance gegeben, gegen multinationale Konzerne zu bestehen. "Fairtrade entpuppt sich immer mehr als Rettungsring für Kleinbauern", so Gruber. Auf der anderen Seite wollen immer Konsumenten eine Rückversicherung, dass Kaffee, Bananen oder Rosen nicht aus ausbeuterischer Arbeit kommen. Fairtrade-Produzenten haben 2005 ein Einkommen von 3,7 Mio. Euro erhalten.

Jeder Konsument könne mit seiner Kaufentscheidung für Produkte, die mit dem Fairtrade-Gütesiegel versehen sind, einen persönlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika leisten, waren sich Staatssekretär Hans Winkler und der Generaldirektor der RLB NÖ-Wien, Peter Püspök einig.

Nicht nur Geld ist wichtig

Österreich habe in den vergangenen zehn Jahren 1,8 Mio. Euro für Fairtrade-Projekte aus dem Budget der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) an finanziellem Beitrag geleistet, so Winkler. Wichtig sei aber nicht nur das Geld, sondern dass EZA kohärent sei, betonte der Staatssekretär.

"Armutsbekämpfung in ihrer internationalen Dimension hat sehr viel mit dem Verhalten der Konsumenten zu tun. Jeder einzelne ist gefordert, seinen Beitrag zu leisten, damit Menschen in aller Welt eine Chance auf Zukunft haben", sagte Caritas-Präsident Franz Küberl. Und: "Es muss eine Balance geschaffen werden zwischen dem, was man hat und dem was andere brauchen", betonte er.

Reichtum und Verwendung contra Armut

Das Problem sei, dass es unermesslichen Reichtum und Verschwendung auf der einen Seite und unermessliche Armut auf der anderen Seite gebe. So bestehe etwa ein Viertel des Wiener Mülls aus verbrauchsfähigen Lebensmitteln. Gleichzeitig hungern 850.000 Millionen Menschen weltweit, so Küberl.

Fairtrade handelt als unabhängige Initiative nicht selbst mit Waren, sondern vergibt sein Siegel für fair gehandelte Produkte. Zu den Kriterien gehören: Keine Kinderarbeit, menschenwürdige Arbeitsbedingungen oder umweltschonende Wirtschaftsweise. Fairtrade ist weltweit die größte unabhängige Zertifizierungsstelle für sozial-ökonomische Kriterien. Fair gehandelte Produkte sind inzwischen in 55.000 Supermärkten in ganz Europa erhältlich.

Der Lebensmittelhandel in Österreich bietet fast flächendeckend Fairtrade-Produkte an. Diese Woche starten zudem Aktionswochen sowie ein neuer Fairtrade-Werbespot. (APA)

  • Der Verkauf von Fairtrade-Produkten ist im Jahr 2005 in Österreich um 62 Prozent auf 25,6 Mio. Euro gestiegen.
    foto: standard/hendrich

    Der Verkauf von Fairtrade-Produkten ist im Jahr 2005 in Österreich um 62 Prozent auf 25,6 Mio. Euro gestiegen.

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