Der "Jetzt erst recht"-Effekt

10. Mai 2006, 11:12
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"Sakrileg" eröffnet Filmfestspiele von Cannes - Gilt als "Blockbuster des Jahres" - PR-Events, "Sakrileg"-Touren, Merchandising auf Hochtouren

Wien - Für die in jüngster Zeit schwer angeschlagene Filmindustrie könnte "The Da Vinci Code -Sakrileg" endlich eine deutliche Trendwende markieren. Die Uraufführung der Leinwand-Adaption von Dan Browns Bestseller eröffnet am 17. Mai - außer Konkurrenz - die Filmfestspiele von Cannes. Österreich-Premiere ist am Abend des 18. Mai, tags darauf beginnt mit 120 bis 125 Kopien der reguläre Kinoeinsatz. "Für uns ist es der Blockbuster des Jahres", sagte Birgit Rauner, Marketing Manager von Sony Pictures Filmverleih Wien, "Wir hoffen, dass die Besucherzahlen die 500.000er Grenze überschreiten. Und das ist sehr vorsichtig geschätzt."

Für den Erfolg des Hollywood-Thrillers rund um den ermordeten Chefkurator des Louvre und religiöse Verschwörungstheorien garantiert wohl nicht nur die mysteriös-spekulative Story und die mit ihrer Umsetzung betraute Crew - Produzent John Calley (Oscar-nominiert für "Was vom Tage übrig blieb") und das Oscar-gekrönte Team hinter "A Beautiful Mind": Produzent Brian Grazer, Drehbuchautor Akiva Goldsman und Regisseur Ron Howard, der sich vor Drehstart von Klassikern wie "Rosemaries Baby" und "Der Exorzist" inspirieren ließ.

Hochkarätige Besetzung

Auch die Besetzung ist hochkarätig: Der zweifache Oscar-Preisträger Tom Hanks spielt die Hauptrolle des Harvard-Symbolforschers Robert Langdon. Gemeinsam mit ihm deckt Ex-"Amélie" Audrey Tautou als Sophie Neveu, Kryptologin - also Entschlüsselungsexpertin - der Pariser Polizei und Enkelin des ermordeten Louvre-Direktors, die Hintergründe des Verbrechens auf, die auf versteckte Botschaften in Leonardo da Vincis Kunstwerken hindeuten. Der Brite Paul Bettany gibt den fanatischen Albino-Mönch Silas, Ian McKellen den mörderischen britischen Gralssucher Sir Leigh Teabing, Jürgen Prochnow den undurchsichtigen Schweizer Bankdirektor Andre Vernet. Jean Reno agiert als aufbrausender und ehrgeiziger Kommissar Bezu Fache und Alfred Molina als Bischof Aringarosa.

In Frankreich, dem Hauptschauplatz der Geschichte, avancierte der Filmevent zur nationalen Angelegenheit. Präsident Jacques Chirac persönlich soll sich in einem Treffen mit Howard und Grazer für die Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit Sophie Marceau, der Freundin seiner Tochter, und eine höhere Gage für Jean Reno stark gemacht haben - was er später freilich dementieren ließ.

Produktionskosten 100 Millionen Euro

Für die zweieinhalbstündige 100 Millionen Euro-Produktion von Columbia Pictures und Imagine Entertainment gab es sogar eine nächtliche Drehgenehmigung im Louvre. Auf die Mona Lisa durfte freilich kein Scheinwerfer gerichtet werden. Für die Actionszenen wurde die Grande Galerie in England im Studio nachgebaut, dabei wurden die Originalgemälde digital fotografiert, vergrößert und nochmals übermalt.

Der Werbe-Effekt für das Museum machte sich schon im Jahr der Dreharbeiten bezahlt: 100.000 Besucher mehr als im Jahr zuvor besuchten den Louvre 2005. Für zahlreiche weitere französische und englische Originalschauplätze wurde der Film schon vor dem Kinostart zum Tourismusmagnet, auch die Londoner Shepperton Studios wurden in "Sakrileg"-Touren diverser Reiseveranstalter aufgenommen.

Keine Pressevorführung vor Premiere

Sorgsam wird hingegen darauf geachtet, dass über den Film selbst vor der Premiere in Cannes möglichst wenig an die Öffentlichkeit dringt. Ausgewählte Journalisten durften lediglich einen halbstündigen Ausschnitt sehen, die eigentliche Pressevorführung findet erst am späten Vorabend der Cannes-Eröffnung statt. Man will sich nicht die diversen PR-Events abschießen lassen, die zur Weltpremiere in Frankreich geplant sind, erläuterte man bei Sony die Hintergründe. Natürlich macht man nicht nur an der Kinokasse Umsatz. Parallel zum Filmstart erscheint auch der Soundtrack von Hans Zimmer, ein PC-Game und das Buch zum Film mit Interviews der Stars, Berichten von den Dreharbeiten und Fotos aus dem Film und von den Sets.

Der "Jetzt erst recht"-Effekt

Selbst die Boykott-Aufrufe der Kirche, die sich als einziger Verlierer im großen "Sakrileg"-Geschäft geriert, obwohl auch so manches Gotteshaus von Dreharbeiten profitiert hat, dürften eher für einen "Jetzt erst recht"-Effekt im Kino sorgen, schätzt man bei Sony. Schon allein deshalb dürfte Howard wohl kaum dem Opus Dei den gewünschten Gefallen tun und mit einem Insert auf die Fiktionalität der Story hinweisen ... (APA)

  • Artikelbild
    foto: sony pictures
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