Mozarts Erben

2. Juni 2006, 14:21
posten

Mozart wird 250 Jahre alt. Der Komponist und Musiker aus Salzburg war ein Genie. Auf der Suche nach einem Wunderknaben von heute stießen wir auf Andie Heyer. Der Salzburger studiert am Mozarteum Komposition. Sein Musikstudium hat er bereits hinter sich.

Salzburg - Mit neun Jahren schuf Mozart seine ersten Symphonien. Mit elf Jahren schrieb das Jungtalent seine erste Oper. Darf sich einer nach so einem kindlichen Genie noch Wunderkind nennen? Andie tut es nicht, seine Eltern und Freunde schon. Andie Heyer ist 21 Jahre alt und studiert Komposition am Mozarteum in Salzburg. Seit zehn Jahren ist er seit langem wieder der erste Salzburger, der die Aufnahmeprüfung geschafft hat. „Ich habe anfangs nicht damit gerechnet“, blickt der Student zurück. Dabei handelt es sich bereits um den zweiten Studienplatz, den Andie bekam, obwohl auf einen Platz mehr als zehn Bewerber kommen. Als er 15 war, schaffte der damalige Schüler die Aufnahmeprüfung auf die Anton Bruckner Privatuniversität Linz. Letzten Sommer schloss er dort sein Studium der Jazz- und Popularmusik mit dreifacher Auszeichnung ab.

Tag und Nacht im Studio

Seitdem verbringt Andie viele Tage und Nächte in seinem Homestudio und komponiert. Am Klavier und am Computer. „Die Ideen kommen beim Improvisieren“, sagt der Pianist, der oft bis sechs Uhr früh vor seiner Tastatur sitzt, „weil ich völlig in die Musik versinke.“ Da bemerkt er Mutti nicht, die ins Zimmer kommt und ihm ein paar belegte Brote auf den Tisch stellt. Da hört er die Freundin nicht, die mit ihm reden möchte. „Komponisten sind Einzelgänger“, meint Andie, „die ziehen sich gern in ihr Kämmerchen zurück.“ Doch der junge Mann mit den langen Haaren, die ein Relikt aus seiner Rockerzeit sind, führt kein einsames Künstlerdasein. Seit sechs Jahren ist er mit seiner Freundin zusammen, die wie er Künstler ist und deshalb „viel mit mir gemeinsam hat“.

„Musik ist mein Leben“

Außerdem genießt Andie seine Freizeit, die ihm neben dem Schaffen bleibt. Dann geht er mit Freunden spazieren oder fährt mit ihnen an den See. Party, Tanzen, Alkohol, das ist nicht seine Welt. Er sucht lieber Entspannung in der Natur. Und Inspiration. Für später, dann, wenn er wieder kreativ sein muss. Ohne Kreativität kommt er nicht weit als Musiker. Doch Andie will weit kommen. Früher, als er klein war, da wollte er natürlich Star werden. „Ich bin realistischer geworden“, räumt er ein, „heute ist mein Ziel, gute professionelle Musik zu machen“. Bedenken, das ihm das nicht gelingt, hat er nicht. „Musik ist mein Leben“, bekennt er, daher wird er sich auch eines Tagen davon ernähren können. Sein Taschengeld stockt er schon jetzt durch kleine Auftrittsgehälter auf. Im Mozartjahr blühen ihm ein paar mehr Aufträge. So soll er Mozartlieder auf modern umkomponieren und mit ein paar anderen Musikern wird er die Musik zu einem Dokumentationsfilm über den Salzburger Wunderknaben liefern. Andie freut sich, denn Mozart, so sagt er, ist sein Idol. Wenn man ihn fragt, wieso, so kommt eine weitere bescheidene Antwort eines bescheidenen jungen Mannes: „Weil für ihn die Musik selbstverständlich war.“
(sn)

Mehr Informationen unter Andie Heyer
  • Andie Heyer an seinem Arbeitsplatz
    steffi/ redaktion

    Andie Heyer an seinem Arbeitsplatz

Share if you care.