"Man muss Menschen mögen"

22. Mai 2006, 13:45
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Helmut Schmerold – Besitzer eines Souvenir-Stands am Alten Markt – erzählt, warum er seinen Beruf liebt und wieso asiatische Schüler bessere Kunden als europäische sind.

Wo? Alter Markt/Getreidegasse
Wer? Souvenir-Stand-Besitzer

Darf ich bitte nach dem Namen fragen?
Mein Name: Schmerold. Schmerold Helmut.

Wie lange machen Sie das hier schon?
Ich bin seit 15 Jahren da.

Und warum machen Sie das?
Warum ich das mache? Ja, weil das mein Beruf ist. Meine Existenz. Ich würde sonst vermutlich nicht mehr existieren können, darum mache ich das.

Und was macht Ihnen Spaß an Ihrem Beruf?
Was mir Spaß macht? Ja gut, wie jeder Beruf hat’s Vor- und Nachteile. Aber ich muss dazu sagen, das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich erstens Mal an der frischen Luft bin – den ganzen Tag lang. Ich merk das dann im Winter, wenn ich Urlaub habe, da haut’s mich dann richtig zusammen, weil ich immer drinnen sitz. Und da merkt man den Unterschied, wenn man halt ständig Sauerstoff hat. Das ist wirklich gut, da ist man frisch und fit am Abend zu Hause.

Es ist ein Vorteil, dass man täglich von Menschen aus der ganzen Welt umgeben ist. Das liebe ich. Das ist angenehm. Man ist von Touristen umgeben, die eigentlich relativ gut drauf sind, die nicht sauer sind – zum Großteil. Das ist auch ein Vorteil. Und ich bin sowieso gern mit Menschen zusammen. Man kann sich ab und zu auch ein bisschen unterhalten mit den Leuten und kann ihnen helfen. Es werden einem Fragen gestellt über die Stadt. Ich kann Auskunft geben, wo die Leute gut essen können usw. Oder gelegentlich auch Auskunft über die Geschichte von Salzburg. Und das ist schon irgendwie schön.

Und man lernt einfach, Leute zu unterscheiden – ob das ein Japaner oder ein Chinese, ein Koreaner oder ein Mongole ist – mit der Zeit bekommt man das richtig in den Griff. Und man lernt mit Menschen umzugehen.

Und für einen Verkäufer sowieso ganz wichtig: die ‚4 M’. Kennen Sie die ‚4 M’, die sich jeder Verkäufer merken sollte? Man muss Menschen mögen. Das sind die ‚4 M’. Und wenn man diese ‚4 M’ wirklich beherzigt, dann kann man auch verkaufen.

Welche Touristen sind Ihnen die Liebsten?
Welche Touristen mir die Liebsten sind, sind die, die am nettesten sind. Ich würde jetzt nicht irgendwelche Nationen bevorzugen. Es gibt in jeder Nation grantigere Leute und jeder Mensch ist nicht immer gut drauf. Ich bin selber auch nicht immer gut drauf. Aber im Großen und Ganzen gibt’s immer nette Leute und es gibt auch weniger nette Leute. Und da möchte ich jetzt nicht irgendeine Nation bevorzugen.

Wir haben jetzt im Mozartjahr sehr viele Kinder da und da möchte ich schon sagen, dass ein Unterschied ist, zwischen asiatischen Schulgruppen und europäischen Schulgruppen. Bei europäischen Schulgruppen wird mehr gestohlen. Wenn ich Schulgruppen aus Japan oder Korea da habe, habe ich ein gutes Gefühl. Da geht eine positive Energie aus und sie sind sehr diszipliniert, geduldig und nett. Bei Europäern gibt es auch sehr nette Schulgruppen – aber bei manchen Schulgruppen sind solche Rüpeln dabei, die stehlen. Und das spürt man sofort, wenn jemand was stehlen will. Da geht eine negative Energie aus, da bin ich sehr sensibel und das spüre ich sofort. Es steckt dann natürlich an. Wenn da vier, fünf in einer Klasse dabei sind, das steckt an, und die anderen machen dann auch mit. Also in der Richtung bevorzuge ich nicht unbedingt die Europäer. Da möchte ich jetzt aber keine bestimmten Nationen nennen. Ich sag einfach Europa, wir sind ja in der EU.

Okay, das war’s. Vielen Dank!
Ja, bitte gerne.

(mar/lea)

  • Helmut Schmerold vor seinem Souvenir-Stand am Alten Markt.
    redaktion (mar/lea)

    Helmut Schmerold vor seinem Souvenir-Stand am Alten Markt.

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