Abschied nehmen vom Erdöl

16. Mai 2006, 19:01
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Biomasse-Firmenchef Erwin Stubenschrott im STANDARD-Gespräch über das Potenzial der alternativen Energie

STANDARD: Wäre es in Österreich mithilfe der Biomasse möglich, von Öl- und Gasimporten unabhängig zu werden?
Stubenschrott: Sie hat sicher ein großes Potenzial. Wir haben 47 Prozent Waldfläche. Leider wird das aber viel zu wenig genutzt, weil die Maschinen in erster Linie darauf ausgerichtet wurden, die Holzstämme zu bergen, dabei aber den Wald regelrecht verwüsten. Ein Drittel des verwertbaren Materials bleibt einfach liegen.

STANDARD: Ihre Branche verzeichnet jährliche Zuwächse von fast 100 Prozent. Zusätzlich geht ein Biomasse-Kraftwerk nach dem anderen ans Netz. Wo kommen die ganzen Pellets und Hackschnitzel her, um diese Anlagen zu heizen?
Stubenschrott: Das muss zum Großteil importiert werden. Aus Kanada kommt einiges, weil dort eine Schädlingskatastrophe wütet, bei der jährlich Waldgebiete von der Fläche der Schweiz absterben. Russland investiert sehr viel, aber auch die östlichen Nachbarländer. Bei uns hingegen verschläft man den Trend. Dabei besteht jetzt wirklich ein enormer Bedarf, der Waldwirtschaft erstmals nach 20 Jahren Stagnation wieder interessant macht.

STANDARD: Wird der Anbau neuartiger Nutzpflanzen wie Elefantengras in Zukunft das Holz ersetzen?
Stubenschrott: Schwerlich. Diese Pflanzen haben einen bis zu zehnmal höheren Aschegehalt als Hackgut und müssen erst aufbereitet werden. Trotzdem wären sie für die Nahversorgung interessant. Ebenso wie der Rapskuchen als Abfallprodukt der Biodiesel-Erzeugung. Man könnte ihn mit Sägespänen mischen. Wichtig wäre es allerdings, dass von der Forschung weitere Impulse kommen und Pflanzen mit höherem Kohlenstoffgehalt gezüchtet werden.

STANDARD: Also Pflanzen, die - im Gegensatz zum Raps - weniger Dünger brauchen?
Stubenschrott: Klar. Denn der Dünger wird zu einem guten Teil aus Erdöl erzeugt, und gerade davon wollen wir ja loskommen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.5. 2006)

Zur Person

Erwin Stubenschrott (49) ist Geschäfts- führer der Firma KWB Biomasseheizungen mit Sitz in St. Margarethen in der Steiermark. Der gelernte Schlosser gründete das Unternehmen 1994 gemeinsam mit dem Biomasse-Visionär August Raggam (69) von der TU-Graz.
  • Im Sommer eröffnet Erwin Stubenschrott ein neu errichtetes Forschungszentrum für erneuerbare Energien.
    foto: standard

    Im Sommer eröffnet Erwin Stubenschrott ein neu errichtetes Forschungszentrum für erneuerbare Energien.

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